Kapitel 11   –   Der Ort Marienfels

Abschnitt 9   –   Marienfels nach 1945



Mit den Amerikanern kam auch das Ende des Regimes. Doch das Leben ging trotzdem weiter. Auf Vorschlag des ausscheidenden Bürgermeisters Hendorf wurde am nächsten Tag Julius Kugelmeier als Bürgermeister eingesetzt. Ihm oblag es nun, die Befehle und Anordnungen der Besatzungstruppen auszuführen. Es war keine schöne und keine leichte Aufgabe. Nach und nach wurde das Leben nun normaler. Nach der Heuernte, am 10. Juli 1945, wurden die Franzosen die neuen Herren im Land. Unser Ort mit dem gesamten Kreis St. Goarshausen lag nun im französischen Besatzungsgebiet. Die Bevölkerung merkte jetzt erst richtig, dass der Krieg verloren war und eine harte Faust der Sieger regierte. Mit dem Eintreffen der Franzosen wurde Julius Kugelmeier von Karl Heimann, der das Amt schon einmal von 1924 bis 1934 inne hatte, als Bürgermeister abgelöst. Es begann eine schwere Zeit. Noch gab es Lebensmittelmarken; und Gutscheine für fast alle Artikel des täglichen Lebens wurden ausgegeben. Daneben forderten die Franzosen Holz, Vieh, Einrichtungsgegenstände, es bestand eine Ablieferungspflicht, und es wurde beschlagnahmt.

Ein ganz schlimmes Übel in dieser Zeit waren die Übergriffe der nun freigelassenen Gefangenen und Landarbeiter aus dem Osten. Oft zu Banden zusammengerottet überfielen diese nachts besonders einzel stehende Gehöfte und Mühlen. Anfangs die Sache noch duldend, griff später doch die französische Militärpolizei hart ein, und langsam flauten die Übergriffe ab. Von der Besatzung geduldet, wurden in den Dörfern die in Selbsthilfe eingeführten Wachen weitergeführt. Alle einsatzfähigen Männer wurden zu diesem Wachdienst, der aus Streifegehen von jeweils zwei Stunden in der Nacht bestand, wie auch in der Kriegszeit, verpflichtet. Dazu waren früher zwei Karabiner mit Munition zur Verfügung gestellt worden, doch nun durften es nur Stöcke sein. Das Wachlokal in Marienfels war das Backhaus.

Die Jahre von 1946 bis 1948 waren besonders hart für die Bevölkerung in den Städten. Die Lebensmittel- und Heizungsmaterialknappheit zwangen die Leute zu Hamsterfahrten in die Dörfer. Mit Lastkraftwagen und noch mehr mit der Kleinbahn zogen ganze Scharen von Städtern über das Land, um etwas zur Ernährung zu ergattern. Der Schwarzmarkt blühte, und die Tauschgeschäfte florierten. Ganz besonders waren es die Müller, die aufgesucht wurden. Wie oft hatte der Müller Karl Gemmer den Hof voller Menschen, die hier etwas Mehl erhielten. Man darf annehmen, dass sich ältere Einwohner äus Lahnstein und Braubach noch dankbar an Karl Gemmer erinnern werden. Nun setzte auch die große Flüchtlingswelle ein, und viele Familien mussten auch in Marienfels untergebracht werden. Dieses Problem konnte nur durch Zwangseinweisungen und Wohnungsbeschlagnahme gelöst werden.

1947 beginnen die „Entnazifizierungen“, wonach jeder Bürger einem Prüfungsverfahren unterzogen wird. Schuldige sollen durch eine Inhaftierung zur Rechenschaft gezogen werden. Gegen diese Form der „Säuberung“ gab es bald Protest, besonders auch von Pastor Niemöller, der selbst in der Nazizeit inhaftiert war. Doch in der französischen Zone lief vieles anders als sonst in Deutschland. So mussten alle bisher entlassenen Kriegsgefangenen sich noch einmal nach Bretzenheim (Nahe) begeben, um sich dort registrieren zu lassen. Überhaupt war die Rückkehr der ehemaligen Soldaten aus der Gefangenschaft oder der Internierung recht unterschiedlich. Wer Glück hatte, wurde schon kurz nach Kriegsende entlassen, andere Einwohner kamen erst spät zurück, wie Emil Singhof im Februar 1948, Willi Schmidt im ApriL 1948, Wilhelm Bauer im Juni 1948, Walter Hendorf im Juli 1948 und Artur Wiegand im September 1948. Der letzte, der in das Heimatdorf zurückkehren konnte, war Willi Hartmann im Januar 1950.

Nachdem nun fast alle Einwohner, die den letzten Krieg überlebt hatten, heimgekehrt waren, entwickelte sich das Ortsleben wieder allmählich. Überhaupt war jetzt eine Freude an Musik und Tanz, an froher Unterhaltung und am Festefeiern vorhanden nach den Jahren der Kriegszeit und trotz der herrschenden Armut. Der Sommer 1947 war besonders heiß und trocken. Im Juli konnte ein sehr schönes Sauerbrunnenfest veranstaltet werden, das von vielen auswärtigen Gästen mit den Ortseinwohnern zusammen besucht wurde. Am Samstag, dem 31. Mai 1947, hielt auch der Männergesangverein seine erste Gesangstunde im Gasthaus Schäfer ab, nachdem von der Militärbehörde die Genehmigung zum Chorgesang erteilt worden war. Das 40-jährige Bestehen des Vereins konnte am 18. Januar 1948 gefeiert werden. Mit viel Geschick hatte man für diesen Abend Wein besorgt, sodass bald eine gute Laune aufkam. Das Jahr 1948 begann mit den Vorbereitungen zu einem Theaterspiel. Am 13. Februar sollte das Volksstück „Der Müller vom Eichengrund“ aufgeführt werden. Doch der Inhalt dieses Stückes hielt nicht der kritischen Prüfung durch die Behörden stand, die Aufführung wurde verboten. Schnell entschlossen wurde dieser Theaterabend dann in einen Kappenball umgewandelt, er wurde ein voller Erfolg. Später folgten dann die Volksstücke „Der Schmied von Ruhla“, aufgeführt am Sonntag, dem 3. April 1949, und „Försters Anni“", das am Sonntag, dem 13. November 1949, gespielt wurde. Beide Male hatte man einen vollen Saal und jedesmal war es ein schönes Erlebnis.

Neues Geld Am 18. Mai 1947 fanden die ersten Landtagswahlen statt. Das Ergebnis dieser Wahl lautete für Marienfels: CDU 65, SPD 44, FDP 13 und KPD 9. Gleichzeitig mit diesen Wahlen waren die Einwohner von dem neu geschaffenen Land Rheinland-Pfalz über die Annahme der Verfassung befragt worden. Seit Wochen und Monaten geisterte schon das Gerücht von einer neuen Währung im Land. Alle wussten, so konnte es nicht weitergehen. Der Verfall der alten Reichsmark lähmte die Wirtschaft, es wurde gehortet und der Schwarzmarkt beherrschte den Warenverkehr. In der amerikanischen und britischen Zone war man sich schon länger einig über eine Geldreform. Nachdem nun auch die französische Regierung ihre Beteiligung erklärte, wurde unter strengster Geheimhaltung das neue Geld gedruckt und zur Ausgabe herbeigeschafft. Am 20. Juni 1948 war es dann so weit. Schon am Freitag, dem 18. Juni, hatte man die Bürgermeister nach St. Goarshausen zusammengerufen und ihnen dort die Richtlinien für die Ausgabe der deutschen Mark bekannt gegeben. Der Sonntag, 20. Juni, versprach schon morgens ein schöner Tag zu werden. Um 8 Uhr fuhr beim Bürgermeister ein Kleinlastwagen vor, eskortiert von zwei Polizisten auf Motorrädern mit umgehängten Karabinern. Das neue Geld wurde gebracht. Es waren Bündel von schönen neuen Scheinen der neuen Währung. Im Schulsaal begann dann ab 10 Uhr die Ausgabe des neuen Geldes an die Einwohner. Bei der Ausgabe des Geldes, die sich bis 15 Uhr hinzog, halfen noch neben Bürgermeister Heimann und Lehrer Schneider Karl Weis, Theodor Heimann und Albert Sommer mit. Jeder Bürger erhielt einheitlich 40 Deutsche Mark als Kopfgeld. In der darauffolgenden Woche musste das Altgeld abgeliefert werden und nach einem weiteren Gesetz wurden die Guthaben bei den Banken und Sparkassen abgewertet.

Jetzt begann eine neue Zeit. Auf einmal waren die Lager gefüllt und es gab vieles zu kaufen, was man Jahre lang vermisste. Im Dorf selbst konnten nun die Einwohner auch an die Renovierung der Häuser und die Verbesserung der Wohnverhältnisse denken. Die Kommunalwahl vom November 1948 brachte in Marienfels keine Veränderung. Der alte Gemeinderat wurde bestätigt. Er setzte sich wie folgt zusammen: Bürgermeister Karl Heimann, 1. Beigeordneter Theodor Heimann, 2. Beigeordneter Julius Huth II, und den Ratsmitgliedern Julius Laux, Wilhelm Bingel, Albert Sommer, Otto Schreiner. Am 14. August 1949 fanden die Wahlen zum ersten Deutschen Bundestag statt. Das Wahlergebnis brachte: CDU 111, SPD 24, FDP 13, KPD 0.

Feuerwehr Am Samstag, dem 20. Mai 1950, wurde in Marienfels eine freiwillige Feuerwehr gegründet, nachdem bisher nur eine Pfiichtwehr bestanden hatte. Kreisbrandinspektor Diederring, St. Goarshausen und Oberbrandmeister Schreiner, Miehlen, waren bei der Gründungsversammlung zugegen. Sie gaben der neuen Wehr wertvolle Hinweise für ihre künftige Arbeit. An diesem Abend wurden Walter Hendorf zum Wehrleiter, Walter Gemmer zum Motorleiter und Walter Kaiser zum Schriftführer und Kassierer gewählt. Wie es Karl Schreiner versprochen hatte, unterstützte er danach die neu gegründete Freiwillige Feuerwehr Marienfels tatkräftig, führte die ersten Übungen durch und war später auch immer ein guter Berater. Für die junge Wehr von Marienfels gaben zwei Brände Anlass zum Löschen. Im Jahre 1948 entstand in der Scheune des Wilhelm Lenz, Römerstraße 32, ein Feuer, dem das ganze Gebäude zum Opfer fiel. Hier war noch die Pflichtfeuerwehr unter Otto Jacobi im Einsatz. Am 16. Januar 1960 gab es in der Mittagszeit plötzlich Feueralarm. Die Scheune des Julius Laux, Römerstraße 13, stand in Flammen. Auch hier konnte die einheimische Wehr schnell eingreifen, wurde dann aber von der Freiwilligen Feuerwehr Miehlen rasch unterstützt, sodass das Wohnhaus und die Nachbargebäude gerettet werden konnten. Die Wirtschaftsgebäude brannten bis auf die Grundmauern vollständig aus. Für den Landwirt Julius Laux war dieser Brand ein harter Schlag, und von den Brandverletzungen erholte er sich nicht mehr richtig. Nach einem Verkehrsunfall fünf Wochen später verstarb er dann mit 61 Jahren. In all den Jahren ist die Wehr, heute unter Wehrleiter Lothar Gemmer, ein wichtiges Glied Im Gemeindeleben geblieben.

Das Jahr 1950 brachte noch ein Ereignis ins Dorf, ein Kirchenchor entstand. Schon lange war es der Wunsch vieler Frauen und Männer gewesen, mit Gesang die kirchlichen Feiern und Feste unterstützen zu können. Es sollte keine Konkurrenz für den bestehenden Männergesangverein werden, als sich unter dem Vorsitz von Willi Debus und unter dem Chorleiter Lehrer Menche der Chor bildete und die Gesangsproben begannen. Ihr erstes öffentliches Auftreten hatten die Sänger und Sängerinnen am Totensonntag, dem 26. November 1950, wo sie beim Gottesdienst in der Kirche mitwirkten. Sie fanden hier dankbare Zuhörer und Anerkennung. Nach fünfjährigem segensreichen Wirken als Lehrer in Marienfels, verließ Robert Menche 1955 wieder unseren Ort und Albert Emmerich aus Geisig übernahm den Dirigentenstab. Der Chor florierte weiter und konnte bei vielen Gelegenheiten sein Können unter Beweis stellen. Doch dann setzte ein Strukturwandel ein, immer mehr Männer mussten ihr Einkommen außerhalb in Industrie- und anderen Betrieben verdienen. Es kam die Schichtarbeit und die zweimalige Chorprobe in der Woche wurde den meisten zu viel, einmal beim MGV und dann beim Kirchenchor, und die Schwierigkeiten wuchsen in beiden Vereinen. Aus Mangel an Männerstimmen musste der Kirchenchor dann ab 1963 seine Tätigkeit aufgeben.

Schlecht stand es um die Wasserversorgung der Gemeinde. Der Verbrauch war durch die erhöhte Einwohnerzahl gestiegen, und die im Jahre 1906 gefasste Quelle „In der Ehell“ lieferte bei Trockenheit weniger Wasser. Das war besonders in dem Trockenjahr 1947 der Fall. Deshalb beschloss der Gemeinderat, das Wasser des Kaltenbornes zusätzlich in den bestehenden Hochbehälter zu leiten. Messungen hatten ergeben, dass diese Quelle konstant 300 l in der Minute spendete, was 432 m3 an einem Tag ausmachte. 1951 wurde durch die Firma Schmidt aus Oberwallmenach die Brunnenkammer errichtet, mit einem kleinen Bauwerk, das zur Unterbringung der Pumpe diente, die das Wasser in den Hochbehälter befördert. Bei diesen Bauarbeiten, insbesondere beim Nachgraben der Quelle, stieß man auf eine alte römische Wasserleitung, die in Richtung Dorf verlief. Diese Leitung bestand aus seitlichen Bruchsteinen, die oben ebenfalls mit Steinen abgedeckt waren. Bei der Baumaßnahme von 1951 wurde diese Leitung einfach durch Rohre angezapft und nun in die Brunnenkammer geleitet. Heute wird dieses Wasser in den neuen Hochbehälter am Hainauer Wald befördert und hilft zum großen Teil mit, die Wasserversorgung der Ortsgemeinden Marienfels, Hainau, Berg und teilweise von Miehlen zu sichern. Seit diesem Ausbau in den 1980-er Jahren heißt dieser ehemalige „Kaltenborn“ nun „Römerquelle“ bei Marienfels. Eine Besonderheit zeichnet dieses Wasser noch aus, es hält immer seine 5 - 6 Temperatur und friert im Winter nicht ein. Deshalb hatten sich auch bisher die Müller der Kaltenborner Mühle dieses Wassers bedient und es mittels Graben und Trog über den Ehrer Bach auf ihr Mühlrad geleitet. Dadurch wurde ein Einfrieren des Rades auch im strengsten Winter vermieden.

1952, nach der Kommunalwahl im November, setzte sich der Gemeinderat aus Karl Laux, Willi Schmidt, Albert Sommer, Willi Debus, Otto Weis, Walter Neidhöfer und Alwin Haxel zusammen. Karl Laux, der schon im Februar Karl Heimann als Bürgermeister abgelöst hatte, wurde einstimmig wiedergewählt. 1. Beigeordneter wurde Otto Weis und 2. Beigeordneter Alwin Haxel. Der im Jahre 1828 angelegte Friedhof am Käsberg befand sich in einem schlechten Zustand. Die Instandsetzung und Neueinteilung durch Errichtung von Mauern und durch das Anlegen eines Tores am hinteren Ausgang wurde nun in Angriff genommen. Ebenfalls errichtete die Gemeinde ein Ehrenmal für die Gefallenen und Vermissten der letzten Kriege. Dieses Denkmal wurde am Sonntag, dem 16. November 1958, feierlich eingeweiht. Eingemeißelt in den Stein sind die Namen der Gefallenen und Verstorbenen des letzten Krieges:

Kreuz Kreuz

Name

geboren am

gefallen/verst. am


Albert Schüler


15.05.1921


14.05.1940

Fritz Grons

08.09.1900

14.07.1941

Walter Henn

05.10.1907

25.10.1941

Herbert Neidhöfer

31.10.1921

31.07.1942

Walter Kirsch

13.06.1921

26.05.1943

Ernst Hartmann

28.03.1911

15.07.1943

Paul Hollweg

20.01.1906

08.02.1944

Karl Kugelmeier

13.07.1925

16.02.1944

Rudolf Kirsch

29.01.1922

27.07.1944

Ernst Huth

23.05.1908

31.07.1944

Reinhard Hasselbach

01.05.1923

09.08.1944

Karl Müller

02.10.1912

13.02.1945

Wilhelm Wiegand

28.10.1914

10.04.1945

Paul Henn

06.06.1912

24.10.1945


Vermisste:

 

 

Walter Hartmann

09.01.1923

25.11.1942

Robert Dreßler

11.09.1907

08.01.1943

Alfred Meinecke

03.06.1920

24.06.1944



Sie alle werden uns unvergessen bleiben. Ihr Tod soll uns mahnen, um den Frieden in der Welt bemüht zu sein, damit sich dieser schreckliche Krieg mit seinen vielen Opfern nicht mehr wiederholt.

Der nächste Beschluss, der die Belange fast aller Einwohner betraf, war die Einleitung des beschleunigten Umlegungsverfahrens. Nach vielen Vorarbeiten, wie Überprüfung der Daten aus der Reichsbodenschätzung von 1936, konnte innerhalb eines Jahres durch das Kulturamt Koblenz ein neuer Gemarkungsplan fertiggestellt werden. Im September 1960 erfolgte die Einweisung der neuen Grundstücke an die Besitzer. Fast genau 100 Jahre seit der letzten Flurbereinigung (Consolitation) von 1860 bis 1862 gab es nun neues Leben in der Gemarkung. Auch war die Motorisierung in vollem Gange, und moderne Maschinen machten die Bewirtschaftung der Felder und Wiesen leichter. Die Gemarkungen Marienfels und Ehr waren zu einem Zusammenlegungsbezirk zusammengefasst worden, und die Eigentümer der Grundstücke bildeten die Teilnehmergemeinschaft. Vorsitzender dieser Gemeinschaft für Marienfels war Otto Weis und für Ehr Willi Wiegand, Kassierer Werner Gordner. Die nachfolgenden Jahre waren noch stark ausgefüllt mit Trockenlegungsarbeiten in den feuchten Wiesen und Feldern und mit Wegebau. Dabei hatten die meisten Landwirte die Gelegenheit, einen Teil ihrer Umlegungskosten durch Handarbeiten und Fuhrleistungen abzuverdienen. Viele wichtige Wirtschaftswege wurden befestigt durch Schotterpacklage und Kies, darunter auch der Markersweg mit dem ehemaligen Kleinbahndamm. 1966 wurde dieser Weg mit einer Asphaltdecke überzogen und verlängert bis in die Flur „In den Heiden“. Ebenfalls wurde der Kirchweg vom Friedhof bis zur Hunzeler Grenze ausgebaut.

Ein Blick zurück in diese Jahre, was Viehbesatz, Ernteerträge und Milchleistung betrifft, dürfte heute noch interessant sein. Im Mai 1949 waren in Marienfels 48 landwirtschaftliche Betriebe mit einer Gesamtfläche von 353 Hektar vorhanden. 6 Betriebe bewirtschafteten bis 2 ha, 14 Betriebe 5 - 10 ha und 2 Betriebe über 10 ha. In diesen landwirtschaftlichen Betrieben waren ständig beschäftigt 74 männliche und 92 weibliche Personen, dazu kamen noch 8 fremde Arbeitskräfte. Es gab noch keine Schlepper, dafür waren 44 Pferde im Einsatz. In den Ställen standen 274 Stück Rindvieh, darunter 134 Kühe, wovon 42 Arbeitskühe waren. Die Schweinehaltung belief sich insgesamt auf 361 Stück jeglichen Alters. 1956 standen in den Ställen von Marienfels 38 Pferde, Rindvieh insgesamt 309, Kühe 128, davon waren noch 30 als Zugtiere im Einsatz. 1960 sind noch 30 Pferde vorhanden, die Zahl der Zugkühe ist auf 13 zurückgegangen und die Schweine haben sich um 38 auf 468 vermehrt. 1965 ist eine Zunahme der Viehhaltung zu verzeichnen, insbesondere haben die Schweine zugenommen, davon liegen jetzt 529 Stück in den Ställen, die Zahl der Milchkühe ist unverändert, noch sind 3 Kühe im Arbeitseinsatz, und die Zahl der Pferde ist auf 18 zurückgegangen. 1970 sind keine Pferde mehr vorhanden, auch keine Fahrkühe, die Rindviehhaltung hat um 30 zugenommen, ebenfalls die Schweinemast, 654 sind in den Ställen zu finden. Der Trend zeigt eine Neigung der Landwirte zur Schweine- und Rindviehmast. 1989 gibt es in Marienfels noch 9 Halter von Rindvieh und 14 Schweinehalter. Gegenüber von 1970 hat sich die Stückzahl der Rinder verringert, die der Schweine sehr erhöht, und es gibt wieder 8 Pferde.

Interessant ist auch ein heutiger Vergleich mit der Milcherzeugung von 1958. Damals hatte der Kreis St. Goarshausen eine durchschnittliche Milchleistung von 2.696 kg je Kuh und Jahr. Die Kühe, die neben der Milcherzeugung noch zur Arbeit gehalten wurden, brachten eine Jahresleistung von 1.960 kg Milch je Kuh. Sehen wir uns die Milchleistung der Kühe aus dem Jahre 1961/62 an, dann hatten die der Leistungskontrolle angeschlossenen Betriebe eine Jahresleistung von 3.835 kg Milch bei 3,86 % Fettgehalt. 1950 betrug die Leistung nur 3.044 kg bei 3,81 % Fett, bei nichtkontrollierten Kühen dagegen nur 2.705 kg im Jahr. Die Ablieferung an die Molkerei Miehlen belief sich im Jahre 1962 auf 2.316 kg Milch je Kuh und Jahr, 6,3 kg je Kuh und Tag und je Lieferant und Tag auf 22,1 kg Milch, alles bezogen auf die Kontrollbetriebe.

Die heutigen Landwirte werden vielleicht mitleidig lächeln, wenn sie die Ernteergebnisse im damaligen Kreis St. Goarshausen aus den Jahren 1952 und 1956 lesen. So lag der Durchschnittsertrag bei Roggen 26,9 dz je ha, bei Winterweizen 29,7 dz, bei Wintergerste 27,2 dz, bei Sommergerste 23,5 dz und bei Hafer 23,6 dz je ha.

Bei der Kommunalwahl vom 23. Oktober 1960 lautete das Ergebnis für den Kreistag in Marienfels: CDU 90, SPD 45, FDP 34 Stimmen. In den Gemeinderat wurden die bisherigen Ratsmitglieder Bürgermeister Laux, 1. Beigeordneter Otto Weis, 2. Beigeordneter Alwin Haxel, Albert Sommer und Emil Singhof gewählt. Neu in den Gemeinderat kamen Walter Gemmer und Paul Theis. Die Flurbereinigng hatte nicht nur eine bessere Bearbeitung der Grundstücke gebracht, sie brachte auch andere Maßnahmen in Gang. Jetzt war es erst der Gemeinde möglich, Bauplätze zu schaffen. Entlang des Kaltenborner Weges konnten nun einige Häuser errichtet werden. Teils waren es Nachkommen einheimischer Familien oder Neubürger, die hier gerne wohnen wollten und ihre Häuser bauten, darunter auch Vertriebene aus Ostpreußen und Deutsche, die ihre bisherige Heimat in Jugoslawien verlassen mussten.


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