Kapitel 11   –   Der Ort Marienfels

Abschnitt 2   –   Versuch der Namensdeutung



Der Name unseres Dorfes tritt in den ältesten Urkunden, Weistümern und sonstigen Schriftstücken in folgenden Formen auf:

Verschiedentlich findet man bei der Erwähnung dieses Namens an der Stelle des V ein U. Das ist damit zu erklären, dass in den alten Handschriften V und U kaum zu unterscheiden sind und oft verwechselt werden.

Woher kommt dieser Name, was bedeutet er? Diese Frage ist nicht mit Bestimmtheit zu beantworten, es gibt mehrere Erklärungsversuche. Der naheliegendste ist folgender: Der erste Teil des Namens kommt von Maria, und da die Kirche auf einem Felsen steht, ist die sich anschließende Silbe -fels gerechtfertigt. Für diese Annahme spricht die sich in der hiesigen Kirche befindende alte Marienstatue. Die Sage erzählt, dass ein Vorfahre der Freiherren vom Stein aufgrund eines Gelübdes nach einem Kreuzzug der Maria hier eine Kapelle baute. In der Kirchenchronik werden zwei alte Gemeindesiegel erwähnt, eines mit dem Bildnis der Maria.

Trotz dieser auf den Namen Maria deutenden Hinweise wird dieser Erklärungsversuch wohl eindeutig widerlegt durch die früheren Namensformen. Bach bring in „Die Siedlungsnamen des Taunusgebietes“ die Notiz: „Formen mit Mer finden sich im Arnsteiner Nekrologium“. Es taucht die Möglichkeit auf, da der Name Arinstein oder Arnstein erst 1067 vorkommt, dass vorher Gaugrafen und Gaumal in ihren Namen in etwa übereinstimmten. Bei Durchsicht des von Becker 1881 zusammengefassten „Nekrologium der vormaligen Prämonstratenser-Abtei Arnstein“" habe ich dafür keine Anhaltspunkte gefunden.

Am einleuchtendsten ist wohl die Deutung der ersten Namenshälfte aus dem Wort „mar“, unserem heutigen Meer, das auch öfters, so sagt es Bach in seinem o. a. Werk, in der Bedeutung von „sumpfartige Ausbreitung einer Quelle“ vorkommt. Die hier vorgeschlagene Deutung lässt sich sachlich sehr wohl rechtfertigen, da der Felsen mit der Kirche noch heute von feuchten und sumpfigen Wiesen umgeben ist. Diese Auffassung vertritt auch Gensicke in seiner Abhandlung über das Kirchspiel Marienfels 1980 in den Nass. Annalen. Dies könnte auch mit meiner schon früher vertretenen Ansicht übereinstimmen, dass das Gaumal auf dem heutigen Kirchenfelsen gelegen, allein und ursprünglich diesen Namen führte, während er erst später von dem sich bildenden Dorf übernommen wurde. Das eigentliche und größere Dorf war vielleicht in alten Zeiten das nahegelegene und später eingegangene Denighofen, von dem schon die Rede war.

Erwähnt werden soll noch, dass Kehrein in seinem „Nassauischen Namensbuch“ den Ortsnamen als von Märbel, Marmel, Mermel (Marmor) herkommend zu erklären versucht.


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