Kapitel 11   –   Der Ort Marienfels

Abschnitt 1   –   Erste urkundliche Erwähnungen



Wann Siedlung und Ort Marienfels entstanden sind, ist nicht bekannt. Man geht davon aus, dass, nachdem das römische Kohortenkastell und die römische Ansiedlung im Verlauf der Heeresreform Kaiser Hadrians aufgelassen und der Limes später aufgegeben wurde, die fruchtbare Landschaft am mittleren Mühlbach schnell wieder besiedelt wurde. Der Name der römischen Siedlung und auch die Bezeichnungen für eine germanische Kultstätte und das Gaumal sind uns nicht bekannt. Auf vermutete Zusammenhänge wurde in dem Abschnitt über Denighofen näher eingegangen.

Urkunde Spielmann (Geschichte von Nassau) datiert die Namensgebung mit -fels in die neufränkische Zeit zwischen 800 und 1000. Die erste urkundliche Erwähnung von Marienfels stammt aus dem Jahre 915, und diese Urkunde ist die Grundlage für das 1075-jährige Ortsjubiläum im Jahre 1990. Am 9. August des Jahres 915 bekundet König Konrad I., dass er aus Liebe zu unserem Herrn Jesus Christus und zu seinem Seelenheil dem Stift, das innerhalb der Mauern der Burg Weilburg (infra muros civitatis Wilinaburg) erbaut ist, seinen Hof Nassau (Nassowa) mit allem Zubehör auf beiden Ufern des Flusses Lahn (Logene) in den beiden Grafschaften Sconenberg (Sconenberg war die Gerichtsstätte des nördlich der Lahn liegenden Engersgaues, die zwischen Heimbach und Gladbach im Kreis Neuwied lag) und Marvels Hofstätten (curtilibus), Gebäude, Hörigen beiderlei Geschlechts, bebauten und unbebauten Ländereien, Äckern, Wiesen und Feldern, Wäldern, Weiden, Gewässern und Wasserläufen, Mühlen und allem Sonstigen zu Eigen geschenkt hat, damit die Kleriker und Brüder, die in jenem Stift Gott und den Heiligen Tag und Nacht dienen, den Hof zu Kleidung und Lebensunterhalt inne haben. Unterschrieben und gesiegelt war diese Urkunde von dem König. Rekognition (Anerkennung der Echtheit der Sache und der Urkunde) durch den Kanzler Salomon in Vertretung des Erzkaplans Piligrim. Datiert 5. idus Augusti 915, im 4. Jahr König Konrads.

Leider steht uns das Original dieser Urkunde nicht mehr zur Verfügung. Nach Struck (Quellen zur Geschichte der Klöster und Stifte ... ) ist das Original verschwunden. Es gibt eine Abschrift auf Pergament aus der Mitte des 12. Jahrhunderts im Wormser Kartular, die heute in der niedersächsischen Landesbibliothek in Hannover aufbewahrt wird. Die Handschrift hat durch Wasserschaden sehr gelitten und ist durchgängig geschwärzt und schwer lesbar. Freundlicherweise hat man dort für uns mit Hilfe von Quarzlampen und sonstigen technischen Hilfsmitteln ein Foto dieser alten Abschrift angefertigt.

Es gab auch Zweifel an der Echtheit dieser Urkunde. Freiherr Schenk zu Schweinsberg hat in „Genealogische Studien zur Reichsgeschichte IV“ gemeint, es sei merkwürdig, dass in unserer Urkunde die Lage Nassaus nur mit dem Namen der Grafschaftsmalstätten, ohne Gaubezeichnungen und unter Verschweigung der Person der Grafen bestimmt wird. W. H. Struck räumt aber in seinem angegebenen Werk 1959 diese Zweifel aus, indem er nachweist, dass auch in den zwei anderen der wenigen Urkunden König Konrads I. nur der Gau, nicht der dort zuständige Graf genannt wird. Er sagt: „Die Nennung der Grafschaftsmalstätten statt der Gaunamen ist zwar ungewöhnlich, stellt aber eine Abweichung dar, die eher zugunsten der Echtheit spricht. Sie mag verursacht sein durch die Tatsache, dass Burg und Ort, auf beiden Lahnufern gelegen, nicht klar nach ihrer Gauzugehörigkeit, sondern nur nach ihren Dingpflichten zu bestimmen waren“. Struck schließt sich damit P. Wagner an, der in seinen „Untersuchungen zur älteren Geschichte Nassaus“ 1925 die Echtheit der Urkunde bestätigt hatte.

Die nächste Erwähnung finden wir in einer Urkunde vom 20. Juli 1031. Damit schenkt Konrad II. der Trierer Kirche den „comitatus Marivelis nominatum situm in pago Einrihha“. Die rechte Seite dieses Dokumentes ist stark beschädigt, im 14. Jahrhundert wurden darin Ergänzungen nachgetragen, doch der Text ließ sich zweifelsfrei ermitteln. Abgedruckt ist diese in Goslar ausgefertigte Urkunde in „Urkunden der deutschen Könige und Kaiser, Band 4“.

Bei Kremer finden wir in seiner „Genealogischen Geschichte des Nass. Hauses von 1779“ eine weitere Urkunde von 1039, mit der Heinrich III. dem Erzstift Trier das Ruralcapitel zu Marienfels, „wo man das alte Gericht oder die Grafschaft Marvelis suchen muß“ schenkt. Dass 1039 die Grafschaft Marienfels noch einmal an Trier gegeben wurde, ist wohl damit zu erklären, dass der Salier Heinrich III. 1039 die Regierung übernahm und die 1031 von seinem Vorgänger Konrad II. gemachte Schenkung bestätigte.


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