Kapitel 10   –   Die Schule

Abschnitt 4   –   Lehrer der Schule Marienfels



Aus alten Urkunden und Beschreibungen, aus Schul- und Kirchenchronik sind uns die Namen fast aller in Marienfels tätigen Lehrer (Schulmeister, Schuldiener, Präzeptoren) bekannt. Der erste namentlich genannte Lehrer war ein Christian Pistorius aus Schweighausen. Er war in Marienfels tätig von 1606 bis 1607. Joh. Jost Kröck ist 1704, nachdem er 5 Jahre hier Lehrer war, im Alter von 47 Jahren in Marienfels verstorben. Sein Nachfolger Bobermann war nur 1 1/4 Jahre Schullehrer in Marienfels und starb hier im 33. Lebensjahr. Joh. Paul Kern starb mit 83 Jahren. Er hatte bis zu seinem Tod 61 Jahre und 4 Monate in Marienfels Dienst getan. Joh. Daniel Ebenau war ein Sohn des Pfarrers Ebenau aus Patersberg. Nachdem er 7 Jahre Lehrer in Oelsberg gewesen war, wurde er 1761 dem alten Lehrer Kern „adjunctiert“ und übernahm nach dessen Tod die Stelle. Als Lehrer Ebenau 1792 verstarb, bewarben sich mehrere Lehrer um die vakante Stelle. Bewerbungsschreiben aus dieser Zeit werden noch im Hessischen Hauptstaatsarchiv aufbewahrt. Interessant ist für uns heute vor allem die Form, in der ein solches Schreiben aufgesetzt wurde. Ein vorliegendes Bewerbungsschreiben beginnt: „Durchlauchtigster Fürst, Gnädigster Fürst und Herr! Der Schuldiener Johann Peter Raidt aus der Vogtei Pfalzfeld im Fürstlich Hessischen bittet untertänigst um gnädigste Conferierung der vakanten Schule zu Marienfels“. Der Antragsteller beschreibt dann auf vier Seiten seinen Lebenslauf, seine Kenntnisse und Fähigkeiten und fährt dann fort: „Da sich in der hiesigen Kirche keine Orgel befindet und ich dadurch außer Stande gesetzt werde, mich in der Musik, eine einem Schuldiener so unentbehrliche Wissenschaft zu üben und zu perfektionieren, so wünsche ich sehr an einem solchen Ort als Schuldiener employiert zu sehen wo ich dieser von dergleichen meinem Endzweck entgegenlaufenden Anständen befreyet wäre. Da nun dem Vernehmen nach die Schule zu Marienfels durch das Ableben des bisherigen Schuldieners Ebenau erledigt worden sein soll, so wage ich es dahero Eure Hochfürstliche Durchlaucht um gnädigste Conferierung dieses Schuldienstes zu implorieren. So getröste ich mich einer gnädigsten Erhörung meiner Bitte und ersterbe in tiefster Untertänigkeit, Durchlauchtigster Fürst, Gnädigster Fürst und Herr, Eurer Hochfürstlichen Durchlaucht untertänigster Knecht Johann Peter Raidt“. Er hat die Stelle nicht bekommen. Vielmehr wurde Kräckmann als neuer Lehrer eingesetzt.

Philipp Michael Kräckmann, geboren in Neuhof, studierte auf dem neu errichteten Schullehrer-Seminarium in Idstein, wurde Schulvicarius in Nassau, zum „wirklichen Schullehrer“" nach Scheuern berufen, wurde „mit Johannetta Elisabetha Hermann, der ehelichen Tochter des Gerichtsschöffen und Gastwirts „Zum Goldenen Löwen“ in Nassau ordentlich kopuliert“ und kam laut Consistorial-Decret von Dillenburg und Wiesbaden 1792 als Schullehrer nach Marienfels. Mit diesem Lehrer Kräckmann hatten die Marienfelser allerdings viel Arger. Im Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden wird ein dickes Aktenbündel aufbewahrt, das sich hauptsächlich mit den Streitigkeiten zwischen dem Kirchspiel Marienfels und seinem Lehrer Kräckmann beschäftigt. Dabei ging es vor allem um mangelhafte Holzlieferungen durch die Gemeinden. Im Jahre 1800 hat schließlich der Schultheiß Heinrich Güth aus Marienfels eine Bittschrift verfasst: „An das Fürstlich Oranien-Nassauische Hochpreisliche Consistorium zu Dillenburg. Gemäßigte Beschwerde ab Seiten des Kirchspiels Marienfels entgegen den Kirchspielsschullehrer Kräckmann, den Verkauf des Bestallungsholzes und Dienstvernachlässigung des letzteren btd. Schon lange hat unser Kirchspielsschullehrer Kräckmann durch sein unmoralisches Leben und Vernachlässigung seines Dienstes die Gemüter des ganzen Kirchspiels gegen sich eingenommen. Wir würden auch gewiß schon einem Hochfürstlichen Hochpreislichen Consistorio unsere gerechte Beschwerde untertänig vorgetragen haben, wenn nicht Liebe zur Ruhe uns bisher davon abgehalten hätte. Da aber nun alle gütlichen Ermahnungen und Vorstellungen fruchtlos sind und der Schullehrer, daß er bey Hochdemselben um Erlaubnis sein überflüssiges Bestallungsholz außer Land verkaufen zu dürfen eingekommen, ... so sehen wir uns genötigt folgendes einem Hochfürstlich Hochpreislichen Consistorio unterthänig vorzutragen. Von jeher waren wir unsren Schullehrern nicht mehr als das nötige Brennholz zu geben schuldig und haben denselben Reiser und Sträucher aus den Lahnsteiner Hecken, Birken-, Weiden- und Erlenholz, so wie wir es nur bekommen konnten, gebracht, ohne daß jemals eine Klage entstanden wäre. Durch Klagen brachte es der Schullehrer dahin, daß ihm acht Klafter Holz verwilligt wurde. Es ist wahr, daß wir nicht immer lauter Buchenholz geliefert, sondern mitunter auch etwas Eichenholz zu den acht Klaftern getan haben, allein wenn man annimmt, daß unsre ohnedies sehr geringen Waldungen meistens aus Eichenholz bestehen, und wir kein besseres Holz als wir selbst haben liefern können, ... so ist doch gewiß sehr unverschämt, daß der Präceptor von uns, die wir das meiste Holz selbst kaufen und auf 3 bis 4 Stundenwegs herbeifahren müssen, lauter Buchenholz verlangt. Sein überflüssiges Holz will der Schullehrer außerdem außer Land verkaufen. Was die Dienstvernachlässigung betrifft, so können wir mit Zuversicht behaupten, daß wenige Schullehrer dem unsrigen in diesem Stück gleich kommen. Es wird kein Markt in der hiesigen Gegend gehalten, wo ihn sein Handlungsgeist nicht hintreibt und keine Versteigerung läßt er unbesucht. Wegen der geringsten Kleinigkeit fängt er Prozeß an und ist immer mit seinen Rechtsangelegenheiten auf dem Rathaus in Nassau zu finden. Während er so das Land durchziehet, ist seiner Ehehälfte der Unterricht der Schuljugend anvertraut, und was bei solchem Unterricht herauskommt, läßt sich leicht denken“. Unterschrieben ist diese Bittschrift noch von den Vorstehern Peter Retert und Daniel Hausen und dem Gerichtsschöffen Joh. Heinrich Kaiser. Diese Beschwerde hatte keinen Erfolg, auch mit Hilfe des Advokaten Wagner aus Nassau konnte keine Versetzung erreicht werden. Kräckmann blieb in Marienfels und starb dort 1824 mit 57 Jahren.

Jakob Julius Huth stammte aus Panrod. Nachdem er auf dem Seminar „als Lehrer tüchtig erkannt“ wurde, war er 2 Winterhalbjahre Dinglehrer in Oberlibbach. 1824 wurde er nach Marienfels „befördert“. Über das Verhalten des Kirchspiels bei seinem Einzug heißt es: „Das Kirchspiel war nach geäußertem Wunsche sogleich erbötig, den Lehrer unentgeltlich abzuholen. An Verköstigung der Fuhrleute ließ es der Lehrer nicht fehlen, weshalb die Leute aber auch ihre völlige Zufriedenheit zeigten. Beim Aufladen, Fahren und Abladen ging alles so ordentlich zu, daß durch den Ortswechsel nicht das Mindeste veräußert wurde. Als wir an die Gemarkung Hunzel kamen, hatte sich die Schuljugend mit mehreren erwachsenen Burschen versammelt. Die Schuljugend empfing den Lehrer mit einem herzlichen Willkommen und reichten demselben einen Strauß. Hierauf stimmten sie unter Anleitung des Gemeindsmannes Justus Weis von Hunzel das Lied Nr. 4 an „Herr Jesus send uns deinen Geist“. Nach beendigtem Gesang wurde von den Burschen mehrere Male geschossen. Oben an dem Marienfelser Wald hatte sich die Marienfelser Schuljugend unter Anführung des Schulvorstandes Jakob Hausen und Adam Closz versammelt. Hier wurde dem Lehrer wieder ein Strauß gereicht, an welchem ein Gedicht von Johann Adam Closz beigeheftet war, in welchem dieser das Willkommen des Lehrers in Versen ausdrückte. Auch wurde von den Schülern das Lied gesungen „Willkommen Herr Lehrer“ “. Dieser Lehrer Huth wurde nach über dreißigjähriger Tätigkeit in Marienfels pensioniert. Dabei verlieh ihm der Herzogliche Schulinspektor Pfarrer Menke die Silberne Civilverdienstmedaille. Die Teilnahme an dieser in der Schule vorgesehenen Festlichkeit war so stark, dass man beschloss „die Pforten des Gotteshauses zu öffnen und den Akt an heiliger Stätte vorzunehmen“.

Im Dekret der Hohen Landesregierung vom 2.9.1857 heißt es: „Wir ernennen hiermit den Lehrer Johann Philipp Römer aus Rettershain Herzoglichen Amts St. Goarshausen zum Lehrer an der Elementarschule zu Marienfels, Berg, Ehr, Hunzel Herzoglichen Amts Nastätten und zugleich zum Organisten, Vorsänger, Glöckner und Küster an der dortigen evangelischen Kirche und bewilligen die ihm aus der Gemeindekasse zahlbare Besoldung von jährlich 290 Gulden.“ Lehrer Frohneberg schrieb 1889 in die Chronik, dass, um den bedrängten Gemeinden in finanzieller Weise zu Hilfe zu kommen, die Königliche Regierung mit Zustimmung des Landtages beschlossen hat, der Gemeinde für einen alleinstehenden Lehrer 500 Mark jährlich aus der Steuerkasse zu zahlen.

Den älteren Bürgern von Marienfels ist sicher Lehrer Henn noch in Erinnerung, der 1907 nach Marienfels kam, über beide Weltkriege hinweg hier tätig war und 1945 entlassen wurde. Es scheint mir erwähnenswert, dass in den letzten 250 Jahren, von einigen kurzen Vertretungen abgesehen, nur 12 Lehrer in Marienfels trotz der hohen Schülerzahlen und der teilweisen räumlichen Beschränkungen ihren Dienst taten. Das war sicher ein Zeichen der Aufgeschlossenheit der Dorfbevölkerung und der guten Zusammenarbeit mit ihren Lehrern.

Einige Schülerzahlen der Schule Marienfels:

1792

  63 Schüler

1800

  86 Schüler

1810

  94 Schüler

1820

114 Schüler

1830

124 Schüler

1840

  95 Schüler

1850

101 Schüler

1860

103 Schüler

1870

104 Schüler

1880

100 Schüler

1890

118 Schüler

1893

  82 Schüler (ohne Hunzel)

1900

  74 Schüler

1910

102 Schüler

1915

  47 Schüler (ohne Berg)

1920

  43 Schüler

1930

  55 Schüler

1940

  58 Schüler

1950

  35 Schüler

1960

  42 Schüler

1964

  55 Schüler



In einer Zusammenstellung sollen nun noch einmal alle in Marienfels tätigen Lehrer, soweit sie nicht nur vertretungsweise kurzzeitig hier Dienst taten, genannt werden:

Christian Pistorius

1606 - 1607

Alexander Freyschlag

1616 - 1618

Matthias Schwert

1618 - 1624

Samuel Rörich

1659 - 1665

Johann Becker

1665

Heinrich Breithaupt

1680

Joh. Gottfried Thomas

1691 - 1693

Joh. Georg Diez

1698

Joh. Jost Kröck

1699 - 1704

Joh. Konrad Robermann

1705

Joh. Paul Kern

1706 - 1767

Joh. Daniel Ebenau

1767 - 1792

Phil. Michael Kräckmann

1792 - 1824

Jakob Julius Huth

1824 - 1857

Joh. Philipp Bömner

1857 - 1867

Wilhelm Frohneberg

1867 - 1893

Joh. Heinrich Koester

1893 - 1897

Ludwig Kaiser

1897 - 1907

Wilhelm Henn

1907 - 1945

Emil Schneider

1947 - 1950

Robert Menche

1950 - 1955

Erich Koch

1955

August Schlusnus

1955 - 1967




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