Kapitel 10   –   Die Schule

Abschnitt 3   –   Der alte Schulverband und seine Auflösung



Marienfels hatte von altersher die Kirchspielschule, d.h. die Kinder von Berg, Ehr und Hunzel gingen nach Marienfels zur Schule. „So mussten die Hunzeler zuerst über eine zugige Höhe hinweg, dann durch einen Wald gehen, um zuletzt noch über einen steilen Felsenpfad ins Mühlbachtal hinabzusteigen. Die Kinder aus Berg konnten die Landstraße entlangwandern. Die Ehrer Kinder hatten den weitesten Schulweg, morgens 2,5 km hin, mittags 2,5 km zurück. Da ihr Weg durch ein zugiges Tal führte, kamen die Kinder in den Wintermonaten oft vollkommen durchkühlt in der Schule an“, heißt es in der Schulchronik.

Trotz der Schwierigkeiten, die sich für die Kinder aus dem weiten Schulweg ergaben, sprachen sich alle Ortsvorstände noch 1864 gegen eine Trennung des Schulverbandes aus und waren vielmehr gewillt, dem Lehrer eine weitere Vergütung zuzusprechen. Da die Schülerzahl auf 122 angestiegen war, zog man die Errichtung einer 2. Lehrerstelle in Erwägung. Am 1.9.1864 kam der Referent für das Schulwesen, der Geheime Regierungsrat Dr. Firnhaber aus Wiesbaden nach Marienfels und stellte fest, dass der Anbau eines zweiten Schulsaales nicht möglich sei. Der Amtsvorstand vom Herzoglichen Amt in Nastätten wurde aufgefordert zu prüfen, ob eine Abtrennung der Gemeinden Berg und Hunzel vom Schulverband Marienfels möglich sei. Der Amtsvorstand sprach sich kurze Zeit später gegen die Trennung aus. 1889 besuchte der Schulrat Risch aus Wiesbaden mit dem hiesigen Schulinspektor Alberti die Schule. Man wollte sich vor Ort von den wegen der großen Schülerzahl ungünstigen Schulverhältnissen ein Bild machen. Schulrat und Schulinspektor gingen anschließend nach Berg und Hunzel, um mit den dortigen Bürgermeistern die Angelegenheit zu erörtern.

Im Sommer 1891 versammelte der Landrat von St. Goarshausen die Bürgermeister und Vorsteher der Orte des Schulverbandes in Marienfels und man kam endlich überein, die Schülerzahl betrug noch 121, dass Hunzel ein eigenes Schulhaus bauen sollte. Am 1. April 1893 trat, nach Fertigstellung der eignen Schule, Hunzel aus dem Schulverbund aus. Am 16.4.1893 fand die Einweihung des neuen Hauses statt. Die Gemeinde Hunzel erhielt aus dem bisherigen Schulvermögen 625 Mark ausbezahlt und „hat damit auf jedes weitere Anrecht verzichtet“. Nachdem auch Berg ein eigenes Schulhaus gebaut hatte, trat es am 1. April 1911 ebenfalls aus dem Schulverband Marienfels aus. Es bekam für die 41 Schüler einen eigenen Lehrer und konnte am 14.4.1911 die Schule einweihen.

Aber auch noch in den folgenden Jahrzehnten bis zur Auflösung der Volksschulen in Marienfels, Berg und Hunzel und der Zusammenführung in die Mittelpunktschulen bestand zwischen den drei Schulen noch eine gute nachbarschaftliche Verbindung. Die Lehrer haben sich untereinander vertreten, gemeinsame Sportfeste durchgeführt und auch gemeinsame Fahrten und Ausflüge unternommen.

Nach der Schließung der Schule Marienfels im Jahre 1967 war auch der bis dahin bestehende Schulverband mit der Gemeinde Ehr aufzulösen. Das erwies sich aber als problematisch, da über diesen Schulverband keinerlei Satzungen oder schriftliche Unterlagen existierten. Nach längeren Verhandlungen konnte 1982 eine Vereinbarung zwischen den beiden Gemeinden getroffen werden über die Verteilung des vorhandenen Schulvermögens. Mit einer Zahlung von etwa 12.000 DM wurden die Ansprüche der Gemeinde Ehr abgegolten. Damit wurde Marienfels alleiniger Eigentümer des Schulgrundstückes.


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