Kapitel 10   –   Die Schule

Abschnitt 2   –   Die Schulgebäude



Nach den vorliegenden Unterlagen erhielt das Kirchspiel Marienfels 1596 sein erstes Schulhaus. Es wird sich dabei vermutlich um das Gebäude gehandelt haben, das in der Marienfelser Schulcompetenz von 1698 näher beschrieben wurde: „Es sah einem alten Rathaus sehr ähnlich, auf welchem auch der vierherrische Gerichtstag gehalten wurde, ruhte auf 10 bis 12 Fuß fürchterlich dicken stockwerkhohen Säulen und auf der Kirchhofmauer, hatte nur ein bewohnbares Stockwerk, in welches eine hohe steinerne Treppe führte. In diesem Stockwerk war eine Schulstube, 2 kleine Wohnstübchen und eine Küche, aus dieser führte eine hölzerne Stiege in das Dachwerk, in welchem ein Fruchtspeicher, 2 kleine Stübchen und ein Taubenhaus waren. Der Gang in die Kirche ging unter der Schule durch. Zum Schulgebäude gehörten ein mit Stroh gedeckter Kuh- und Futterstall, zwei kleine Schweineställe, darauf ein Hühnerhaus.“ Dieses Gebäude muss also vor dem Eingang zur Kirche gestanden haben. Über das Ende dieses Gebäudes sagt die Schulchronik: „Baufälligkeitshalber wurde die Schule, nachdem sie mehrere hundert Jahre gestanden hatte, im Jahre 1802 abgebrochen.“

Ehemaliges Schulgebäude Im gleichen Jahre, also 1802, wurde ein neues und größeres Schulgebäude vor der Kirche errichtet. Es war mit Stroh gedeckt, hatte im 1. Stockwerk die Schulstube, etwa 600 Quadratfuß groß. Das 2. Stockwerk enthielt 5 Zimmer und einen Speicher. Unter der Schulstube war ein Keller. Dazu gehörten 1 Kuh- und Futterstall, ein im Jahr 1806 erbauter Schafstall mit zwei Schweineställen.

1827 wurde die Kirchenuhr, „die des Reparierens nicht mehr wert war“ durch eine neue Uhr von dem Uhrmacher Dilger aus Idstein für 185 Gulden ersetzt.

Die Toten des ganzen Kirchspiels wurden auf dem Kirchhof rund um die Kirche, hinter der Schule beigesetzt. Wenn man sich nun den verhältnismäßig kleinen Platz an der Kirche mit dem felsigen Untergrund ansieht, muss man sich die Frage stellen, wie konnten über Jahrhunderte hinweg auf diesem Kirchhof die Toten des gesamten Kirchspiels beerdigt werden? Dabei muss man sicher bedenken, dass in früheren Zeiten nicht nur die zum Tode verurteilten, sondern alle, die sich etwas zuschulden kommen ließen, auf dem „Schindacker“ begraben, oder vielleicht sollte man besser sagen vergraben wurden. Dieser Schindacker lag auf dem Gelände über dem heutigen Friedhof. Da die Zustände auf dem alten Kirchhof untragbar geworden waren, wurde 1829, immer noch für das ganze Kirchspiel, der neue „Totenhof“, der heutige Friedhof, angelegt.

Der Lehrer hatte früher das Recht, das Wasser an dem Pfarrbrunnen zu holen. Da dieser aber zeitweise nicht genügend Wasser für eine Familie bot, erklärte sich der Kirchenvorstand mit der Grabung eines Schulbrunnens einverstanden. 1838 wurde er von dem Maurer Ludwig aus Obertiefenbach mit 47 Fuß Tiefe angelegt. 1839 wurde zwischen Schule und Kirchhofsmauer, vorher war dort ein schmaler Gang, ein Holzschuppen angebaut.

Zweimal entging dieses Schulgebäude mit knapper Not dem Schicksal, eingeäschert zu werden. Am 22. August 1844 brach in Wölls Scheune Feuer aus. Die Leute aus dem Dorf waren mit der „Spelzernte“ beschäftigt und fast alle auf dem Felde. Auf den Ruf der Glocken eilten die Leute auch aus den Nachbargemeinden herbei, Scheune und Stall brannten ab, 1 Kuh und 6 Schafe fanden den Tod. In der Nacht von dem 9. auf den 10. Juli 1850 wurde Ansels Scheune neben der Schule angesteckt. Ansels Haus und Scheune brannten nieder, das Schulhaus wurde wegen der Windstille und der schnellen Hilfe verschont. Die „alte Schule“ von 1802 steht heute noch und dient der evangelischen Gemeinde als Gemeindesaal.

Für die „neue Schule“ wurde am 18. Oktober 1926 der Grundstein gelegt, und am 30. Oktober 1927 war die feierliche Einweihung. Nähere Einzelheiten über Planung und Bau dieses Schulgebäudes werden bei dem Abschnitt „Marienfels nach dem 1. Weltkrieg“ erwähnt. Nach der Schließung der Schule Marienfels wurde 1980 an die „neue Schule“ der Gemeindesaal angebaut, der heute Kommunikationszentrum und kultureller Mittelpunkt der Gemeinde ist und hoffentlich für lange Zeit bleiben wird.


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