Kapitel 9   –   Die Kirche

Abschnitt 4   –   Pfarrer in Marienfels



Über die Pfarrer, die in Marienfels wirkten, ist aus alten Urkunden, Protokollen und vor allem aus den im Staatsarchiv vorhandenen Visitationsakten manches zu ersehen. Als Erzbischof Boemund von Trier 1357 die Kapelle zu Niederbachheim von der Mutterkirche in Marienfels trennte, begründete er dies auch damit, dass die Priester in Marienfels ein durchaus weltliches Leben führten, sich Lanzenbrechen, Turnieren und anderen weltlichen Eitelkeiten ergaben und häufig den geistlichen Stand wieder verließen. Von den hiesigen Pfarrern und Dekanen wird oft aber auch im Gegensatz zu den Pfarrern der Nachbargemeinden lobend gesprochen. So auch in einem Schreiben des Superintendenten aus dem Jahre 1604 an Petrus Mengelius Pastor Ecclesia Dci et Minister in Mernfels.

Eine Ausnahme aus der Reihe der zufriedenstellenden Visitationsberichte bildet ein solcher aus dem 16. Jahrhundert (W 351 XXV IX 3). Es heißt darin, der Pfarrer von Marienfels sei „ein irres Menlein, liest viel und mit unverstandt, ist imme eingebunden, das er seine Predigen schreiben und die zuvor Danielen zu Bachheim zeigen soll, denselben auch in allen Sachen Raths fragen. Sunst ist nichts rügbare fürbracht, das wurde dem Amptmann und Kellern auff dem geschworen Montag angezeigt“".

Nach der Reformation war die Zeit der ehemaligen Mönche vorbei, und überall saßen jetzt studierte Pfarrer. Die Kleidung des Pfarrers bestand aus einer runden hutförmigen Kopfbedeckung und einem sogenannten Pfarrmantel, über dessen gehörige Länge die Synode wachte (1594). In das Amt kam der Geistliche, nachdem er vom Patron vorgeschlagen war und sich in St. Goar und Diez hatte prüfen lassen. Die Prüfung, die sich vor allem auf die Kirchenordnung bezog, war für die Pfarrer im Vierherrischen schwierig, da eine einheitliche Kirchenordnung hier nie zustande kam. Nachdem in den Gemeinden einige Zeit Dietrichs „Agendenbüchlein für die Pfarrherren auf dem Lande“ gebraucht worden war, wurde 1577 die berühmte hessische Kirchenordnung von 1574 eingeführt. Sie blieb in Geltung bis zum Ende der hessischen Herrschaft. Die Einführung eines vierherrischen Pfarrers geschah durch sämtliche Superintendenten, denn jeder der vier Herren hatte einen solchen bestellt. Sie traten, nachdem der neue Pfarrer die Predigt gehalten hatte, vor den Altar, jeder hielt eine Ansprache, der Pfarrer wurde auf die Kirchenordnung verpflichtet, und dann schloss die Feier mit dem Segen.

Kontrolliert wurden die Pfarrer und die Zustände der Gemeinden durch die schon mehrfach erwähnten Visitationen durch die Superintendenten. Sie prüften dabei im Gottesdienst Pfarrer und Gemeinde, revidierten Kirchenrechnungen und Inventar. Der Ablauf einer Visitation von 1577 wird wie folgt geschildert: Die Gemeinde singt zuerst einen Psalm, dann betet der Pfarrer und hält seine Predigt. Nun ergreift ein Visitator das Wort und stellt 20 Fragen über die Amtsführung des Pfarrers, über den Kirchenbesuch, ob Sekten, Zauberer, Flucher in der Gemeinde seien und wie man der Obrigkeit gehorche. Mit Gebet und Gesang wurde die Feier geschlossen. In anderen Berichten wird auch von der Prüfung der Jugend in der Kenntnis des Kathechismus gesprochen.

Die Konfirmation der Kinder wurde übrigens im hessischen 1538 eingeführt, im Vierherrischen war sie ab 1586 gewünscht. Über viele Begebenheiten in der Kirchengemeinde gibt die alte Kirchenchronik Auskunft. Das folgende Foto zeigt das Titelblatt des „Kirchenbuches“ das 1747 von Pfarrer Trübenbach begonnen wurde.


Kirchenbuch von Marienfels




Von den Pfarrern in Marienfels sind namentlich bekannt:

Claes Friedel aus Scheuern

1437

Johann Grantzmann

1481

Clais von Amöneburg

1507

Clas Schwedenlauf

1524 - 1535

Johannes Meugel

1535 - 1543

Joh. Bauer

1543 - 1551

Phil Flavius aus Frankfurt

1551 - 1596

Peter Mengelius aus Kemel

1596 - 1616

Joh. Eichenius aus Naumburg

1635

Simon Löw aus Crailsheim

1641 - 1660

Joh. Heinr. Ebenau aus Gießen

1660 - 1713

Valentin Müller aus Darmstadt

1714 - 1746

J.P. Trübenbach

1746 - 1761

Joh. Ohly

1762 - 1785

G. Ludwig Ohly

1785 - 1826

K. Fr. Hergenhahn

1832 - 1836

Val. Chr. Ullrich

1836 - 1850

A. Th. Rhod

1850 - 1874

J. Ph. Chr. Bauer

1874 - 1879

Joh. Warns

1879 - 1880

Gustav Schmidt

1880 - 1884

Ph. Wilhelm Bingel

1884 - 1930

Hans Hahn

1931 - 1935

Klaus Abels

1936 - 1943

Herman Schild

1943 - 1978

Karl H. Pack

1978 - 1988

Mathias Moos

1989 - heute




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