Kapitel 9   –   Die Kirche

Abschnitt 1   –   Aus der Kirchengeschichte



Wann das Christentum bei uns Eingang fand, steht nicht genau fest. Die erste Kunde vom Christentum brachten in unsere Heimat wahrscheinlich römische Soldaten. Die 22. Legion, stationiert in Mainz, bezog einen Teil ihrer Mannschaft aus Syrien, dessen Bewohner schon im 2. Jh. teilweise das Christentum angenommen hatten, und in Marienfels aufgefundene römische Ziegel trugen den Namensstempel der 22. Legion. Der römische Kaiser Konstantin trat 312 zum Christentum über. Er war selbst einige Jahre in der Rheingegend und machte Trier zum Hauptsitz der römischen Macht in Germanien. Im 3. Jahrhundert wurde eine Kohorte der achten Legion von Trier in die „Lahngegend“ verlegt, und aus dem 3. Jahrhundert hat man schon Gräber mit den christlichen Symbolen gefunden.

Im Zusammenhang mit dieser Verbindung zu Trier kam wahrscheinlich der Schüler und Freund des trierischen Bischofs Maximin, der später berühmt gewordene Lubentius, in unser Land. Er machte Dietkirchen zum Mittelpunkt seiner Bekehrungsversuche und starb 351. Die Geschichten um Lubentius, den 1. Apostel des Lahngaues, der bei der Malstätte des Lahngaues, dem Reckenforst, die Dietkirche (Volkskirche) errichtet haben soll, werden allerdings in Zweifel gezogen. Die Trierer Erzbischöfe räumten später den Nachfolgern des Lubentius neben der bischöflichen Verwaltung des Lahngebietes die erste Stelle unter den übrigen Landbischöfen ein, darüber wird später noch zu berichten sein.

Der fränkische König Chlodwig, der seit 481 über die Franken herrschte und aus dem Westerwald stammen soll, wollte zunächst nichts vom christlichen Glauben wissen, obwohl seine Frau, die burgundische Königstochter Chlotildis, schon dem Christentum angehörte. Vor dem Entscheidungskampf zwischen Franken und Alemannen 494 bei Zülpich soll Chlodwig geschworen haben, bei einem Sieg zum Christentum überzutreten. Die Franken siegten, Chlodwig ließ sich zu Weihnachten desselben Jahres taufen und zum König salben. Gleichzeitig wurden 3.000 Franken in die christliche Kirche aufgenommen.

Der Heilige Bonifatius In der zweiten Hälfte des sechsten Jahrhunderts kam ein Mönch namens Goar aus dem südlichen Frankreich an den Mittelrhein. Er lebte zunächst in einer Höhle auf der Rheinhöhe und errichtete später eine Kapelle an der Lohbachmündung, am heutigen Marktplatz von St. Goar. Der heilige Goar starb 575, und nach seinem Tod wurde bei seinem Grab ein Kloster gebaut, das zum Benediktinerkloster Prüm gehörte. Um das Kloster bildete sich eine Siedlung, die seit 760 den Namen des St. Goar führt. Von den Prümern wurden die Grafen von Arnstein zu Schutzvögten über Ort und Kloster bestimmt. Zu Beginn des 12. Jh. wurde das Kloster in St. Goar in ein Chorherrenstift umgewandelt. Gegenüber von St. Goar, auf der rechten Rheinseite, entstand dann ein Ort der den Namen erhielt „Husen beim hilligen Goar“ das heutige St. Goarshausen. Gwendolin (Wendolin) und Bonifatius nahmen im 7. und 8. Jh. die Missionstätigkeit auf.

Wann die ersten Kapellen und Kirchen in unserem Raum entstanden sind, wissen wir nicht. Man hat in Boppard die Reste einer Kirche aus dem 5. Jh. entdeckt, die auf den Mauern eines römischen Kastells gebaut war. Es wird auch von anderen römischen Kastellorten berichtet, in denen und auf denen in frühfränkischer Zeit christliche Kultbauten errichtet wurden. Könnte das auch in Marienfels der Fall gewesen sein? Das frühe Vorhandensein einer germanischen Kultstätte wird in Marienfels vermutet und nun, da der Gott der Christen, nach der Überzeugung der Bevölkerung, über die germanischen Götter gesiegt hatte, lag es sicher nahe, dies auch nach außen zu dokumentieren. Das schloss aber nicht aus, dass viele heidnische Sitten und Gebräuche noch über Jahrhunderte in Marienfels fortbestanden.

Ulrich (Landes- und Kirchengeschichte des Herzogtums Nassau) nennt unter den wenigen im 8. und 9. Jahrhundert entstandenen Gotteshäusern auch schon eine Kirche in Marienfels ohne dies näher zu belegen oder zu begründen. Auch nach Spielmann wird unsere Kirche in Marienfels schon im 8. Jh. erwähnt, und er zählt sie zu den ältesten Kirchen überhaupt, spricht sie aber bestimmt als älteste Kirche des Gaues an. Auch Gensicke schreibt: „Die Kirche auf dem Felsen ist wohl die älteste im Innern des Einrichs“.

Die erste große Kirche und das erste Kloster in unserem Land sind von Karl dem Großen 780 zusammen mit dem Erzbischof Lullus zu Mainz in Blidinstat (Bleidenstadt) gegründet worden, und Bleidenstadt galt zunächst als religiöser Mittelpunkt für die Gaue Einrich, Kunigsundra und Rheingau.


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