Kapitel 8   –   Hofgüter zu Marienfels


  1. Arnstein hatte wohl seit Alters her Besitz in Marienfels. Habel schreibt dazu 1803: „Zwischen Geisig und Marienfels liegt ein runder Meyer und in der Mitte desselben ein Acker, ebenfalls dem Arnsteiner Gut zugehörig. Die alte Sage ist, dass darin ein Schloss gelegen hätte. Vielleicht lag hierin das Hauptgebäude der Grafschaft Marvels?“

  2. 1282 hatte die Abtei Arnstein in Denighofen das Eigengut des Weilburger Kanonikers Muselin gekauft, und 1346 erwarb sie dazu Ackerland im Geisiger Feld. Hofkammerrat Habel erwähnt diesen Hof in seiner Abhandlung von 1803 wie folgt: „Die Abtey Arnstein hatte einen Mayereyhof in Marienfels nahe beim Pfarrhause und in einem Acker desselben in dem alten Dannighoben stand das alte von graulichen schiefrigen Thonsteinen ausgemauerte runde Bad“.
    Um welches Bad es sich dabei gehandelt hat, ist unbekannt. Es kann nicht das Römerbad gewesen sein, sein Aufbau war ganz anders. Aber auch den Sauerbrunnen konnte man kaum als Bad bezeichnen. Höchstwahrscheinlich handelt es sich bei dem beschriebenen Anwesen um den späteren Hof des Klosters Walsdorf, der 1545 und 1558 als Hof zu Denighofen, 1608 als Hof zu Denighofen und Marienfels, 1581 als Nonnenhof von Affolderbach zu Marienfels und seit 1585 meist als Hof zu Marienfels bezeichnet wird. Der Hof muss dem Kloster Affolderbach bei Nastätten gehört haben und als 1544 das Zisterzienserinnenkloster Affolderbach aufgehoben wurde, wurde er mit dessen Besitzungen dem Benediktinerinnenkloster Walsdorf „inkorporiert“. In einem „Nachweis der Güter des Klosters Walsdorf aus dem Besitz des Klosters Affolderbach“ wird 1649 auch genannt „Zu Dennighofen eine Hoff“. Aus 1724 liegt ein Gesuch des Pächters des „Klosterhofes zu Marienfels“ vor, der um Pachtnachlass wegen schlecht geratener Winterfrucht nachsucht.
    1688 erhielt Martin Closs zu Marienfels das Hofgut zu Erblehen gegen eine beständige Pacht von jährlich 2 1/2 Malter Korn und 1/2 Malter Hafer. In einem 1719 vom Landmesser Wernigk von Idstein aufgestellten Güterverzeichnis des Walsdorfer Hofgutes werden etwa 41 Morgen Land aufgezählt, davon 6 Morgen in der Miehlener Gemarkung und 9 Morgen Wiesen. Die Familie Eisenbarth-Brost in Marienfels besitzt noch das alte Quittungsbuch, in dem seit 1722 ihren Vorfahren, den Familien Closs und Güth, die Ablieferung der Pacht für den Walsdorfer Hof bescheinigt wurde. Die Pacht wurde später auf drei Malter Korn und drei Malter Hafer erhöht. So lautet beispielsweise der Eintrag von 1744: „Vom Walsdorfer Hof in Marienfels liefert der Erb Beständer Heinrich Clos an Pacht mit 3 Malter Korn, 3 Malter Hafer“. Nachdem der Sohn des Martin Closs, Johann Heinrich Closs, verstorben war, durften sich die beiden Tochtermänner Joh. Heinrich Rethard und Georg Philipp Güth 1778 das Klostergut zu gleichen Teilen aufteilen. Die Steuerzettel dieser beiden sind noch im Staatsarchiv Wiesbaden vorhanden und bringen eine genaue Aufstellung der Grundstücke mit Lagebezeichnung. Rethard und Güth wollten dann das Gut kaufen, man konnte sich jedoch lange nicht einig werden über den Kaufpreis. Nach mehrjährigen Verhandlungen, der diesbezügliche Schriftwechsel (W 351 VIII b 16) wird noch aufbewahrt, konnte Rethard 1819 seinen Anteil für 2.000 Gulden übernehmen. Die Ablösung des Güthschen Teiles erfolgte erst 1856.
    Der Walsdorfer Hof (Arnsteiner Hof, Hof zu Denighofen, Gut zu Marienfels, Hof zu Affolderbach, Klosterhof), der nach dem Gesagten über 400 Jahre in der Gemarkung Marienfels bestanden hat, ist heute vergessen. Lediglich eine kaum gebrauchte und nicht mehr amtliche Flurbezeichnung nennt Äcker südwestlich des Dorfes, dies war wohl der Standort des ehemaligen Gutes, das Walsdorfer Feld. Das Kloster Walsdorf besaß auch einen Hof zu Hunzel, den die Äbtissin Marie von Klingelbach 1742 an den Schultheißen Rörig Schmidt verkaufte.

  3. Kuno Engländer von Nassau hatte ein Erbgut in Marienfels. 1377 hat Ritter Friedrich vom Stein es ihm abgekauft und noch 1560 hatte die Familie vom Stein Gülten und Zinsen von diesem Hofgut und erst 1685 befreite Nassau-Idstein ihren Hofmann von den Korn- und Hafergülten.

  4. Die Kirche von Miehlen hatte einen Hof in Marienfels. Davon wird berichtet aus dem Jahre 1574. Dieser Hof war 1774 an sämtliche Gemeindeglieder verpachtet, und die mussten dafür an Miehlen 2 Malter Korn liefern.

  5. Franz von Kronberg besaß 1581 in Marienfels wohl einen kleineren Hof, von dem das Kloster Eberbach 1681 einen Geldzins einzog.
Die Feldflächen der Hofgüter zu Marienfels sind wohl im Laufe der Zeit in das Eigentum von Marienfelser Bürgern übergegangen, der Gemarkung des Dorfes einverleibt worden. Ob besondere Hofgebäude bestanden haben ist zu vermuten, nachgewiesen sind sie nicht bis auf eigne Gebäude des Walsdorfer Hofes, von denen noch 1774 berichtet wird.


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