Kapitel 7   –   Denighofen


Es ist schon einige Male der Name eines Dorfes Denighofen erwähnt worden. Wo liegt dieses Dorf oder besser, wo lag es? In diesem Zusammenhang muss man auf alte Mauerreste verweisen, die südlich und westlich von Marienfels gefunden wurden. Sind sie in Verbindung mit diesem Dorf Denighofen zu sehen oder sind es Überreste der bürgerlichen Niederlassung der Römer, als die Bodewig („Röm. Gehöfte zwischen Limes und Rhein“) sie ansieht? Ist das Auffinden römischer Ziegel in Mauerresten unbedingt ein Zeichen dafür, dass dies ein altes römisches Gebäude war? Können nicht auch spätere Generationen die wahrscheinlich schon zerstörten und verlassenen römischen Gebäude abgebrochen und die Bausteine für ihre neuen Bauten verwandt haben? Kann die Zerstörung der Römersiedlung, die teilweise aus Baracken bestand, eine Brandschicht von stellenweise über einem Meter hinterlassen haben, wie Bodewig sie vielfach vorfand? Oder hat Pfarrer Brinkmann recht, der 1827 in den Nass. Annalen schrieb: „Meine Meinung geht dahin, dass auf dem Castro Romano und noch weiter gegen Süden und Westen ein großer Ort, vielleicht das Hauptstädtchen der Gegend gestanden habe. Man hat keine Nachricht darüber. Die um Rat gefragten Kirchenbücher von Marienfels reichen nur bis zum Jahre 1678 und sagen, dass die früheren Kirchenbücher durch Kriegsunruhen verloren gegangen seien.“ Fragen über Fragen, auf die wir keine endgültige Antwort geben können.

Die Existenz des Ortes Denighofen ist aber mehrfach urkundlich belegt. 1225 und 1266 erscheinen die Adeligen von Demngowe unter den Ministerialen der Grafen von Nassau. Erwähnt wird der Ort 1266 als Dennigoven, 1282 als Denengoven, 1361 als Denegaben, 1466 als Dennengoben, 1526 als Denioben, 1631 als Denighoffen. Denighofen war Sitz einer niederadligen Familie, deren Mitglieder mehrfach in alten Unterlagen genannt werden. Die Adligen von Denighofen verkauften 1225 die Zehnten zu Attenhausen, Welterod und Bremberg, die sie von Graf Ludwig von Arnstein in Lehen hatten, an die Abtei Arnstein. Anselm von Denighofen schenkte 1266 der Abtei Arnstein eine Hube in Miehlen und das Dorf Bleidenbach. Die Abtei Arnstein kaufte in Demghofen 1282 das Eigengut des Weilburger Kanonikers Egenolf Muselin. Der Kaufpreis des Allods (Freigut, dem Lehnsträger persönlich gehörender Grund und Boden) betrug 20 Aachener Mark. Muselin hat dabei auf 3 Mark Kaufsumme verzichtet, damit der Konvent von Arnstein dafür jährlich am 8. September (in festo nativitatis beate Marie virginus) eine Tröstung zu seinem Gedächtnis hält.

Das Kloster Arnstein scheint überhaupt mit Denighofen in enger Verbindung gestanden zu haben. 1225 wird ein Helfrich von Demngowe als Wohltäter des Klosters erwähnt. Im Totenbuch des Klosters Arnstein (Necrologium der Prämonstratenser-Abtei) aus dem 13. Jahrhundert tauchen mehrfach Eintragungen auf, die sich auf Denighofen beziehen: Am 19. Januar eine „Judit laice de Denegovin, que dedit casulam et a1bam“ die also dem Kloster Geschenke vermacht hatte, am 22. Februar eine Lucardis v. Deningowe, die 3 Mark gebracht hat (1 Mark war zu jener Zeit eine Münze von etwa 250 g Silber), am 18. November ist im Totenbuch eine Gertruds sororum (Schwester oder Nonne) nostravum in Denechoben vermerkt. So ließen sich noch mehrere Eintragungen aufzählen, der Ortsname tritt dabei in verschiedenen Schreibweisen auf: Denechoben, Deningowe, Denegovin, Denekhoben, Denekhoven, Deningovin, Denkhoben. Merkwürdigerweise habe ich in diesem Totenbuch von Arnstein keine Eintragungen von Marienfels gefunden.

Der Ritter Otto von Freiendiez verkaufte 1353 beide Hälften seines vom Grafen zu Wied lehnsrührigen Zehnten zu Deniggoben und Marenfelß an Ritter Johann vom Stein. Graf Philipp von Katzenelnbogen bekundet 1466, dass er Kuno von Reifenberg, seinem Amtmann in Diez, als Mannlehen die Gerechtigkeiten, Zinsen und Gülte in Dennengoben verliehen hat, die dem Grafen Johann von Philipp von Rheinberg zugefallen sind. 1535 wird ein Frederich Hobmann zu Denioben genannt, der Ort selbst aber 1533 im Schatzungsansatz mit Marienfels zusammen aufgeführt. Heinrich und Philipp von Nassau verkauften 1564 ihren Rauchhafer zu Denighofen an Friedrich vom Stein. Die Herren vom Stein hatten hier auch 1568 die Hähne von allen Gärten und Hofstätten.

Wo stand nun dieses Dorf Denighofen? Befand es sich südwestlich des heutigen Ortes Marienfels oder war es gar, wie Gensicke meint, das vom Markersweg getrennte Niederdorf? Es gab eine alte, heute nicht mehr bekannte Bezeichnung „obig Denighofen“ für die Flur westlich des Niederdorfes. Nach Brinkmann findet sich auf alten Landkarten der Name Denighofen statt Marienfels. Ich gehe davon aus, dass Dennighofen einst der größere Ort oder das eigentliche Dorf, vielleicht der Mittelpunkt des ganzen Gaues war. Es müsste nordwestlich des heutigen Dorfes Marienfels gelegen haben. Für diese Annahme sprechen:

  1. Die vielen Eintragungen aus Denighofen im Totenbuch des Klosters Arnstein.
  2. Mehrere Hinweise darüber, dass der Sauerbrunnen einst in der Mitte des alten Dorfes Denighofen gestanden habe. Das erwähnt auch Hofkammerrat Habel im „Reichsanzeiger“" von 1803, und er schreibt auch von einem „sehr großen verbrannten und zerstörten Ort“ und von „häufiger gebrannter Erde und Schutt von den Gebäuden, der ausgegraben und auf die Äcker gefahren worden wart“.
  3. Auf einer alten Konsilidierungskarte von Marienfels führen die Straßen von Miehlen, Dachsenhausen, Geisig und Berg eindeutig zum Gebiet des Sauerbrunnens. Dort treffen sie sich, dort muss der Mittelpunkt des Ortes gewesen sein. Die Straße von dort über Berg nach Arnstein wurde früher als „alte Straße“ bezeichnet.
Dass zur Römerzeit die Straßenführung schon ähnlich verlief, zeigen alte Schotterfunde in diesem Bereich. Neben dem Markersweg gibt es einen Distrikt „Kirchgarten“". Hat hier die ursprüngliche und älteste Kirche des Ortes Denighofen gestanden? Brinkmann (Nass. Annalen 1827) behauptet dies und weis von einem Kirchhof dabei zu berichten. Als Begründung führt er an: „Dies ist wohl daraus zu schließen, daß in diesem Garten, wie man an der einen Seite, wo die Mauer niedergerissen ist, sehen kann, viele Knochen von Menschen, Scherben von römischen Vasen und verfaultes Holz von Särgen hervorragen“. Anlieger, die dort Erdarbeiten durchführten, konnten diese Angaben nicht bestätigen, nur auf alte Mauern seien sie gestoßen. Man muss aber doch annehmen, dass dem Bericht des Pfarrers Brinkmann wirkliche Funde zugrunde lagen. Diese Flur Kirchgarten hat aber, soweit es sich zurückverfolgen lässt, nichts mit der heutigen Kirche oder den mit der Pfarrei verbundenen Grundstücken zu tun. Die Frage, ob hier, etwa auf dem heutigen Grundstück der Familie Laux, die alte Kirche stand, vermutlich eine Holzkirche, wird nur durch weitere absichtliche oder zufällige Grabungen zu klären sein.

Wenn Denighofen, erbaut auf den Mauern der alten römischen Siedlung, von der wir keinen Namen wissen, der Hauptort der Gegend war, kann man vielleicht annehmen, dass Marvels zunächst der Name der alten germanischen Kultstätte und des späteren Gaumals war und nach dem Bau der Kirche auf dem Felsen auch dem neuen Ort den Namen gab. Wie lange der Ort Denighofen bestanden hat, ist nicht bekannt. In einer Gemarkungsbeschreibung von 1631 heißt es: „Marienfels mit Denighofen ist ein Commun“. Nach Vogel (Hist. Topographie des Herzogtums Nassau 1836) wird es auch 1646 noch einmal erwähnt. Und im Güternachweis des Klosters Walsdorf von 1649 habe ich noch einen Eintrag gefunden: „Zu Dennighoffen eine Hoff“".

Dass das Dorf durch Auswanderung oder Abwanderung in die Städte zur Erlangung der bürgerlichen Freiheit eingegangen ist, dafür gibt es keinerlei Hinweise. Die Häuser von Denighofen rückten wahrscheinlich immer dichter an Marienfels heran, um schließlich mit diesem zu verschmelzen. Die endgültige Zusammenlegung scheint nach dem 3O-jährigen Krieg stattgefunden zu haben. Später wird der Ort Denighofen nicht mehr erwähnt.

Interessant ist vielleicht noch der Hinweis, dass ein alter Miehlener Bürger erzählte, er würde die Marienfelser noch heute, im Jahre 1990, als alte Danighofer bezeichnen, wenn er damit auf ihre bodenverbundene, etwas schwerfällige Art hinweisen wolle.


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