Kapitel 6   –   Die Lebensverhältnisse unserer Vorfahren

Abschnitt 6   –   Das Handwerk



Man muss davon ausgehen, dass es neben Bauern auch einige Handwerker in Marienfels gab. Doch davon wird uns wenig mitgeteilt. Die Mühlen werden aufgezählt, und von der Arbeit der Müller wird berichtet. Es gab auch Schmied, Schreiner, Wagner und Schuhmacher, in Hunzel wird 1708 ein Kannen- und Krugbäcker genannt. Doch wie war es mit den typischen Handwerksberufen des „Blauen Ländchens“? Wir wissen, dass in Marienfels die Schafhaltung im 15. und 16. Jahrhundert eine gewisse Rolle spielte. Im Spätmittelalter blieb das Brachfeld im Rahmen des Fruchtwechsels auf den Äckern nicht ungenutzt, sondern man überließ das hier wachsende Feldgras den Schafherden. Und deren Wolle bildete die Grundlage für das Tuchgewerbe.

Dass es Wollweber auch in Marienfels gab, können wir nur vermuten. Aus Miehlen wird 1534 von der Bruderschaft der Wollweber berichtet. In diesem Bericht beklagt sich der Pfarrer Jakob, dass er seit 3 Jahren die Dienstagmesse lese, ohne dafür von dem Brudermeister der Wollweber einen Pfennig erhalten zu haben. Und Vogel sagt, dass das Wollweberhandwerk um 1500 und 1550 im Einrich „im rechten Flor“ war. Wenn auch in Inventuren eines Augsburger Handelshauses von hochwertigen Nastätter Tuchen die Rede ist, so kann angenommen werden, dass es sich um Erzeugnisse der ganzen Gegend handelte und die Verarbeitungsschwerpunkte in den wasserreichen Mühlbachdörfern lagen.

Wie an anderer Stelle beschrieben, ging nach dem großen Kriege die Brachweide zurück, die Weidegründe für die Schafe wurden weniger. Mit dem Rückgang der Schafzucht verlor auch die Herstellung des Wolltuchs an Bedeutung. Inwieweit damit die Intensivierung des Flachsanbaues verbunden war, ist nicht zu sagen. Es heißt aber, dass die Bauern im Einrich werktags Hosen aus hausgemachtem blauen Leinen, blaue Leinenkittel und sonntags blaue Strümpfe aus selbstgesponnener Wolle trugen. Eine ähnliche Kleidung war auf den Gemälden an der Empore unserer Kirche zu entdecken. Die 1754 von dem Bruder des damaligen Pfarrrers Trübenbach gemalten Bilder gaben wohl bäuerliche Gestalten in der Kleidung jener Zeit wieder. Hottenroth (die Nassauischen Volkstrachten) schreibt dazu: „Die dort festgehaltenen Trachten erinnern an mittelalterliche Darstellungen und zeigen, wie der Bauer auf diesem weltabgeschiedenen Stück Erde im Althergebrachten stecken geblieben ist“.

Das Leinen wurde sicherlich auch in Marienfels hergestellt, gewebt. In einem alten Bericht heißt es: „Die Webstühle klapperten auf jedem Dorf oft bis tief in die Nacht hinein“. Manche Leinenweber erzeugten den Flachs nicht mehr selbst, sie bekamen die Faser angeliefert und mussten fertige Stoffbahnen abgeben. Diese Lohnweber waren meist arme Häusler, die von dem Abholer der Ware, dem vielfach auch der Webstuhl gehörte, abhängig waren.

Blaufärber Die bevorzugte blaue Farbe der Kleidung hing mit dem Beruf des Blaufärbers zusammen. Die Wollgarnstränge und selbstgewebten Leinenballen wurden mit Weid und später mit Indigo gefärbt, im Mühlbach gewaschen und dann getrocknet. Ob nach der Reformation Wollweber und Färber, die wegen ihres protestantischen Bekenntnisses Lorch und Kaub verlassen mussten, sich auch in Marienfels ansiedelten, ist nicht bekannt. Sie gaben aber dem Gewerbe der Blaufärber im „Blauen Ländchen“ einen starken Auftrieb, und da die überwiegend evangelische Bevölkerung des Vierherrischen sich der blauen Tracht verschrieben hatte, hießen die Protestanten auch „die Blauen“.

Im Mühlbachtal wurde auch ein Bergwerk betrieben. Es war das Bergwerk „uff der Milnbach“ bei Berg. 1583 nennt es Philipp II. von Hessen das Bergwerk „im Rauschenthale“. Der damalige Bergmeister, der aus Eisleben stammte, gab an, dass in einem Zentner Erz 24 Pfund Blei, 2 Lot Silber und etwas Gold enthalten waren. 1789 schreibt der Nassauische Bergrat Becher: „Im Jahre 1585 ward eine Grube mit Namen „Segen Gottes“ im Rauschental im Einrich im Vierherrischen betrieben. Man redet von großen Erzvorräten und der Hoffnung zu einer starken Erzförderung. Man machte den Anschlag wöchentlich auf 50 Centner Bleyerze und hoffte davon 20 Centner Bley und 60 Loth Silber“. Als nach Philipps Tod 1585 das Bergwerk an die vier Herren des Vierherrischen überging, wurden noch eine Schmiede und eine Schmelzhütte dazu gebaut. Die 1590 erbaute Rauschemühle ist wohl bei dem Gelände des Bergwerks errichtet worden. Bergrat Becher erwähnt auch: „Vom Jahre 1583 habe ich Nachricht von einer Kupfergrube gefunden, die „der gute Geselle“ hieß. Wo sie gelegen hat weiß ich nicht, sie scheint in der Nachbarschaft des Rauschentales gelegen zu haben.“ Bei dem Schmelzen der Erze brauchte man schon Steinkohle. Kurze Zeit, etwa ab 1788, war auch ein Bergwerk am Ehrer Bach in Betrieb (W 351 XX 5). Eisenstein, etwas Kobalt und Salzwässer wurden dort gefunden. Die Funde waren aber unergiebig, und das Bergwerk wurde bald wieder aufgegeben. Bei Ehr existierte auch noch eine Grube Horchberg. Sie wird allerdings erst im 19. Jahrhundert erwähnt und hat bis 1934 Schwerspat gefördert.


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