Kapitel 6   –   Die Lebensverhältnisse unserer Vorfahren

Abschnitt 4   –   Der Frondienst



Frondienst Die Frondienste bestanden in Hand-, Geh- und Spanndiensten. Bauern mit Zugtieren fronten mit Gespannen, die kleineren (Reisassen, Heppenbauern) und die Nichtbauern leisteten Hand- und gehende Dienste. Die Pflichtigen mussten nicht selbst fronen, man konnte auch eine andere Arbeitskraft den Frondienst verrichten lassen. Einzelheiten über die Durchführung oder auch Befreiung waren in einem sogenannten „Fronstock“ niedergelegt. Nach einem Fronstock von 1765 genossen Geistliche und Glöckner Fronfreiheit. In besonders schweren Krankheitsfällen konnte man vom Frondienst dispensiert werden.

Die Fronarbeit war stets dem Grundherren zu leisten und da häufig der Grundherr nicht zugleich der Landesherr war, bedeutete dies vermehrte Lasten für die Bevölkerung. Die Fronzeit dauerte bis Michaeli von 6:00 Uhr bis 18:00 Uhr und nach Michaeli von 7:00 Uhr bis 17:00 Uhr mit einer Mittagspause von einer Stunde. In den schlimmsten Zeiten nahm der Lehnsherr vier volle Diensttage in der Woche für sich in Anspruch.

Jedes Dorf bzw. Kirchspiel hatte die Straßen in seinem Gemarkungsbereich herzurichten und instand zu halten. Das dürfte Marienfels besonders hart getroffen haben, als man in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die große Verkehrsstraße von Koblenz über Nastätten nach Frankfurt chausseemäßig anzulegen begann. In einem Ausschreiben von 1751 heißt es: „Auf Befehl der fürstlichen Kanzlei soll der Schultheiß sein Kirchspiel bestellen, daß die dienenden Untertanen alle mit der Fuhr den zukünftigen Mittwoch um 7.00 Uhr jeder mit einem Karren Steine zu erscheinen und den Tag durch Steinfahren frönen und die Landstraße helfen verbessern. Jeder Fuhrmann muß eine Hacke oder Bickel mitbringen. Aus jedem Dorf müssen die Heppenbauern oder die keine Fuhr haben, mitkommen, daß sie die Steine legen“.

Auf Verweigerung der Frondienste standen harte Strafen, es wurde z. T. „Turmstrafe“ in Aussicht gestellt. Erst das Edikt von 1812 hob alle ältere Abgaben, Blutzehnte und Fronen im Herzogtum Nassau auf. Ab 1.1.1813 waren nun noch zu leisten: Chausseearbeiten, Gemeindearbeiten und Jagdtreiben.


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