Kapitel 6   –   Die Lebensverhältnisse unserer Vorfahren

Abschnitt 3   –   Die Bede



Die Bede (Beeth, Beete) waren die wichtigsten gerichtsherrlichen Abgaben, wohl die ältesten allgemeinen Grundsteuern. Der Name Bede kommt eigentlich von bitten, denn im Mittelalter erbaten die Territorialherren von ihren Untertanen diesen Zuschuss. Die Rede war also anfangs eine freiwillige Leistung, wurde dann jedoch eine geforderte, regelmäßig in Geld zu entrichtende Steuer. Die jährlichen Bedebeträge waren festgelegt, als Steuereinheit galt der Morgen Land. Im Jahre 1695 wurde in Marienfels von den „benachbarten Schultheißen und verständigen Gerichtsverwandten“ festgelegt je Morgen:

Ackerland

im Guten

15 1/2 Gulden

 

im Mitteln

10 1/3 Gulden

 

im Schlechten

5 1/6 Gulden

 

Wiesen

im Guten

16 1/2 Gulden

 

im Mitteln

11 Gulden

 

im Schlechten

5 1/6 Gulden


Erhoben wurde die Bede an 2 Terminen, im Mai und im Herbst, daher auch der Name Mai- und Herbstbede. Die Entrichtung erfolgte teils in Geld, teils in Naturalien. Von jedem Rauch, d.h. jeder Feuerstelle, wurde zeitweise auch Rauchhafer gefordert und von einzelnen Familien Abgaben, die auf besondere herrschaftliche Gerechtsame zurückgingen: Weidhämmel, Weidhafer, Herrenbutter, Eier- und Käszins, Martinsgeld, Fastnachtshuhn usw.

Der Rentmeister Schülling aus Nastätten berichtet 1790, dass der Haushalt von der Abgabe des Fastnachtshuhnes befreit war, wenn die Frau zur Fastenzeit im Wochenbett lag. Alljährlich während der Gerichtstage wurden von den Gerichtsuntertanen sog. Schreierhühner und -brote gefordert.


zurück ... 6.2. Der Zehnte und sonstige Steuern 6.4. Der Frondienst weiter ...

© Gemeinde Marienfels  –  alle Rechte vorbehalten