Kapitel 5   –   Das Vierherrengebiet

Abschnitt 6   –   Das Ende des Vierherrischen



Die Unmöglichkeit, einen alle Kondominatsherren befriedigenden Verwaltungsmodus zu finden und gleichzeitig alle Sonderrechte zu berücksichtigen, um Überschneidungen und Kompetenzschwierigkeiten auszuräumen, beschloss man, das Gebiet des Vierherrischen aufzuteilen. Auf Tagungen 1609 und 1618 wurde darüber diskutiert, 1631 wurden zum ersten Mal Teilungsvorschläge gemacht, die jedoch keine allgemeine Zustimmung fanden. Erst 1647 gelang es, das Gebiet in 3 Quartiere aufzuteilen, die zunächst nur für die Abgabeerhebung gedacht waren, dann aber ab 1681 auch für die Justizverwaltung galten.

Die Einteilung dieser Quartiere erfolgte ohne Rücksichtnahme auf die Bezirke der alten Gerichte. Marienfels kam zusammen mit Berg, Hunzel, Ehr, Bremberg und Attenhausen zum Quartier Nassau-Diez. Zum hessischen Quartier gehörten: Weyer, Niederbachheim, Oberbachheim, Winterwerb, Kehlbach, Kördorf, Herold, Ergeshausen, Oberwallmenach, Lautert, Rettershain, Bettendorf, Egenrod, Grebenrod, Martenrod, Langschied, Mappershain. Das Nassau-Saarbrückische Quartier umfasste die Dörfer Dornholzhausen, Geisig, Dessighofen, Singhofen, Obertiefenbach. Wie schwierig es war, eine Einigung für diese Einteilung in Quartiere zu erzielen, geht aus dem Protokoll eines Amtstages hervor (W 351 XXV3). Das Kirchspiel Marienfebs sollte zunächst an Hessen fallen. Da es jedoch dagegen erhebliche Einwände gab, wurden alle Schultheißen und Schöffen des Vierherrischen zu dem erwähnten Amtstag nach Nastätten geladen. Ein genaues Verzeichnis aller „unter solchen Gerichtszwang gehörigen Dorfschaften, Höfe und Mühlen“ war dazu mitzubringen. Die Schultheißen hatten eine genaue Aufstellung vorzulegen über die Zahl der Wohnhäuser, der Kinder, der vorhandenen Fuhren, wieviel Frucht und Geld und an wen das zu entrichten war und schließlich wieviel Häuser und Kinder hessisch, diezisch und saarbrückisch waren. Nach längeren Verhandlungen kam ein Vergleich und die Einteilung in die drei Quartiere, in das hessische, das nassau-saarbrückische und das nassau-diezische zustande.

Gerichtsverhandlungen wurden nun von den „Quartiersbeamten“ als alleinige 1. Instanz durchgeführt, Urteile gefällt und im Namen sämtlicher Mitherren vollstreckt. Damit hatte auch die gemeinsame Gerichtsbarkeit aufgehört. Die Oberwettentage fielen weg. Doch selbst über diese Aufteilung hinaus wusste Marienfels seine hervorragende Stellung zu halten. Es war nämlich die aus dem Marienfelser Gericht erwachsene Oberschultheißerei zu einer weiteren Gerichtsinstanz geworden und zwar zu einer Berufungsinstanz, ohne dass dieser Zustand jemals gesetzlich bestätigt worden wäre, so wird bemerkt. Diese Einrichtung muss bestanden haben bis zum Jahre 1770, denn erst aus diesem Jahre ist ein Rezess über die Abschaffung der vierherrischen Appellationsinstanz vorhanden.

Nach schwierigen Verhandlungen und vielen Konferenzen wurden dann 1774 mit einem Rezess von Nastätten die bisherigen Quartiersstände aufgelöst, die neuen Grenzen festgelegt. In dem Nastätter Rezess vom 27.06.1774 heißt es u. a.: „Die Nassauischen Häuser erhalten aber die zu dem Naßauischen quartier gehörig gewesene Ortschaften Marienfels und Denighofen, Ehr, Berg Hunzel ... nebst ihren Gemarkungen, auch dazu gehörigen höfen und mühlen nunmehro als ein eigenthum mit aller landeshoheit“. In einem 2. Nastätter Rezess vom 9.12.1775 wird die Abstimmung der Grenze zwischen Nassau und Hessen beschrieben, die an Marienfels vorbeiführte: „...rechter Hand an Geyers heckenfeld her über den von Hunzel auf Miehlen gehenden fahrweg fort über das feld bis an den Seyersgraben, linker Hand den Seyer herunter, wo die hunzelner Gemarkung aufhöret und die Marienfelser anfängt. Linker hand den rech herab, rechter hand den Seyerfluß herab, zwischen dem Miehlener feld und den Marienfelser wießen her, die Seyerswießen gerad herab, über den Marienfelser mühlenteich durch die bruchwieße, über die Mühlbach durch die Miehlener wießen und den Miehler weg an der Weyerbach, in den Weyerbacher graben hinauf biß in den Faulberger söder, biß in die Füllscheuer, gerade fort über das feld an den Ehrer graben, bis über die Ehrer straße, dem fluthgraben nach biß in die Bogeler söder ... “.

Damit war das Ende des Vierherrengebietes gekommen. Marienfels kam zum Dreiherrischen, also zu Nassau. Für alle gerichtlichen und verwaltungsmäßigen Angelegenheiten war das Amt Nassau zuständig. Die hessischen Anteile wurden von der Oberschultheißerei Nastätten verwaltet. 1795 wurde daraus das selbständige Amt Nastätten, das bis zur Neuordnung 1816 bestand.


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