Kapitel 5   –   Das Vierherrengebiet

Abschnitt 5   –   Hexenverfolgungen



Ein besonders trauriges Kapitel bilden die Hexenverfolgungen und Hexenprozesse. Nach der Bulle des Papstes Innozenz VIII. 1484 begannen im Nassauer Land die Hexenverfolgungen. Jeder Christ war verpflichtet, Hexenwerke zu beobachten und zu melden. Die Hexen sollten durch den bösen Blick, durch Zaubersprüche und -tränke Krankheiten anzaubern, Kühe behexen, allerlei Unfälle über Menschen und Tiere herbeirufen und böse Wetter herbeiziehen. Es wurde ein Hexenmeister bestellt, der den Gerichtsbezirk bereiste, die Hexen aufgriff und vor Gericht brachte. Wenn die Hexe in Güte nichts gestand, wurde die Folter angesetzt bis ein Geständnis kam. Das Todesurteil war dann die Folge.

Hexenverfolgung Es wird berichtet, daß 1580 in unserer Gegend eine größere Hexenverfolgung stattfand, veranlasst durch „allgemeinen Mißwachs“. Diese Beschuldigungen brachten viel Leid in unsere Dörfer, Gehässigkeit und Klatschsucht führten so manches Opfer auf die Folter. Namen von verurteilten „Hexen“ aus Marienfels sind nicht bekannt, doch wird berichtet, dass 1631 Agnes Völkert und Hermann Thöngesens Weib aus Singhofen und Anna Görgel aus Dessighofen wegen Zauberei zum Tode verurteilt und in Marienfels, dem Gerichtssitz des Vierherrischen, hingerichtet wurden. Ein Jahr später stirbt Clos Friedrichs Witwe aus Geisig den Hexentod.

Über die Hinrichtungsart in Marienfels wird nichts gesagt, doch muss man davon ausgehen, dass sie den Flammentod gefunden haben. Denn kurz vorher war in Nassau eine Frau als Hexe zum Tode verurteilt worden. Die Kinder hatten für die Mutter ein Gnadengesuch eingereicht und gebeten, ihr den Flammentod zu ersparen und sie durch das Schwert sterben zu lassen. Diese Vergünstigung wurde laut gräflichem Bescheid abgelehnt.

Für etwa 20 Jahre sind dann keine Akten über Hexenprozesse in unserem Raum auffindbar, bis 1652 Hexenverfolgungen wieder verstärkt auftraten. Verhaftungen, scharfe Vernehmung mit Folterung, Todesurteil und Hinrichtungen erfolgten in kürzester Zeit. Nach 1660 haben die Hexenprozesse im Vierherrischen nachgelassen, vermutlich durch nassau-diezisches Einwirken. Der Amtmann Nauroth, ein viel genannter Mann jener Zeit, ist mit dem „Hexentöten“ nicht recht einverstanden gewesen. In einem Bescheid des nassau-diezischen Statthalters steht: „Fürstlich Nassau-Diezischerseits weiß man nichts von einem ewigen Hexenfeuer, so man in Nassau will brennen lassen“".

Die örtlichen Hexenausschüsse wurden aufgelöst, die Scheiterhaufen erloschen.


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