Kapitel 4   –   Vom Einrichgau zum Vierherrengebiet

Abschnitt 2   –   Besitzungen der Abtei Prüm



Abteikirche Prüm Die Abtei Prüm hatte zahlreiche Besitzungen im Einrich, und es taucht die Frage auf, wie diese Abtei, in der westlichen Eifel gelegen, zu solch reichem Besitz in unserem Raum gekommen war. Das Kloster Prüm wurde 721 von der Fürstin Betrada, einer Verwandten der Arnulfinger gegründet. Ihre gleichnamige Enkelin, Frau von Pippin III., dem Vater Karls des Großen, machte dem Kloster reiche Schenkungen. Prüm wurde zum Hauskloster der Karolinger. Im Jahre 762 soll Pippin dem Kloster die Sandale Christi geschenkt haben, eine wertvolle Reliquie, die dem Kloster besonderes Ansehen verlieh. Der Neubau der Kirche wurde 799 von Papst Leo III. im Beisein von Karl dem Großen geweiht. Zeitweise lebten bis zu 300 Mönche in der Abtei Prüm.

Karl der Große war es vor allem, der der Abtei Prüm zahlreiche Besitzungen übergab. So schenkte er 790 der Abtei ein von ihm eingezogenes Gut, Wälder und Ödland im Einrich. Da in dieser Schenkungsurkunde, das Original ist nicht mehr vorhanden, nur eine Abschrift liegt vor, mehrere Orte im Einrich und an der Lahn genannt werden, feiern diese Ortschaften im Jahre 1990 ihr l200-jähriges Bestehen.

Im Prümer Urbar (Grundbuch) von 893 werden 373 Besitztümer der Abtei aufgezählt, davon 27 Besitzungen im Einrichgau, Nastätten, Bogel und Gemmerich werden dabei genannt. St. Goar, das Monasterium St. Goaris Confessoris (Kloster des heiligen Bekenners St. Goar) war schon 765 von der Abtei Prüm in Besitz genommen worden. Die Verwaltung der Prümschen Besitzungen wurde Vögten (Klostervögte, Schutzvögte) übertragen. Im Jahr 1089 ist die Rede von einem Vogt Diether in St. Goar. Er war Inhaber einer arnsteinischen Untervogtei. Die Nachkommen dieses Diether, 1138 war ihnen der Grafentitel von Katzenelnbogen übertragen worden, blieben Vögte über St. Goar und übten auch die weltliche Gerichtsbarkeit aus. Das führte zu erheblichen Spannungen, da die Grafen von Katzenelnbogen ihren Besitz und ihre Macht stark auszuweiten versuchten. 1245 erbaute Diether V. von Katzenelnbogen die Burg Rheinfels. Die einstmals so reiche Abtei Prüm geriet zunehmend in Geldschwierigkeiten und mußte 1347 die meisten Besitzungen, auch auf dem Einrich, an Erzbischof Balduin von Trier verpfänden. Im Jahre 1420 verkaufte Trier die Herrschaft zu St. Goar und die rechtsrheinischen Besitzungen an Graf Johann von Katzenelnbogen.


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