Kapitel 4   –   Vom Einrichgau zum Vierherrengebiet

Abschnitt 1   –   Besitzverhältnisse im Einrich



Im vorigen Abschnitt wurde berichtet, wie die Grafschaft Einrich 1160 an die Häuser Nassau und Katzenelnbogen kam. Dieser gemeinsame Besitz des Einrichs brachte erhebliche Schwierigkeiten. Nassau wie Katzenelnbogen versuchten, ihren Machteinfluss zu verstärken und ihren Besitz zu mehren, meist auf Kosten des anderen. Die Lage wurde noch komplizierter, als etwa 100 Jahre später durch die Landesteilungen in den Häusern Nassau und Katzenelnbogen auch der Einrich weiter aufgeteilt wurde. Der nassauische Stamm hatte sich 1255 in die Ottonische (Nassau-Dillenburg) und die Walramsche Linie geteilt. 1260 trennte sich das Haus Katzenelnbogen in die Zweige Neu- und Altkatzenelnbogen. Dadurch waren nun vier Herren für den Einrich zuständig und von dieser Zeit an spricht man von dem Vierherrengebiet, dem Vierherrischen oder dem Vierherrengericht auf dem Einrich.

Interessant ist, wie die beiden Häuser die Teilung auf dem Einrich vornahmen. Die Katzenelnbogener Brüder Diether V. und Eberhard I. teilten nicht in abgeschlossene Bereiche auf, sondern in vielen Orten hatten beide Besitz. In den Regesten der Grafen von Katzenelnbogen sind die Besitzverhältnisse nach der Teilung ausführlich beschrieben. In Nastätten war z.B. „entlang des Weges, der zur Kirche führt“, die Grenze zwischen den beiden Brüdern. Da blieben Misshelligkeiten und Streitigkeiten nicht aus. Bei den Nassauern wurde die Teilung anders vollzogen. Die Lahn bildete im wesentlichen die Grenze zwischen der ottonischen und walramischen Linie. Es waren zwei von einander getrennte Gebiete. 1402 fand übrigens durch Heirat eine Wiedervereinigung der beiden Katzenelnbogener Linien statt.

Wie unübersichtlich und verworren die Besitzverhältnisse und die Grundherrlichkeiten auf dem Einrich waren, mögen einige Beispiele, die aus den Regesten und alten Akten entnommen wurden, zeigen. Marienfels gehörte bis zum Ausgang des 13. Jahrhunderts zu dem isenburgischen Besitz, obwohl die Grafschaftsrechte für den Einrich schon 1160 an Nassau und Katzenelnbogen verkauft worden waren. 1163 bestätigt Erzbischof Hillin von Trier dem Abt Eustachius von Arnstein, dass Hartrad von Merenberg ihr Allod zu Obertiefenbach im Einrich mit der Kirche und deren Leuten, dem Zehnten dieses Ortes und allem Zubehör der Kirche zu Arnstein geschenkt hat zu ihrem Seelenheil. 1330 bekundet Kaiser Ludwig, dass ihm Abt Heinrich von Prüm seine Reichslehen im Einrich bisher weder angezeigt, noch aus seiner Hand empfangen hat. Da der Abt weiterhin in seinem unverständigen Widerstand verharrt, erklärt der Kaiser diese Lehen dem Reiche heimgefallen und gibt sie dem Grafen Wilhelm von Katzenelnbogen und seinen Erben.

Auch die Häuser Isenburg und Waldeck werden häufiger in Verbindung mit dem Einrichgau und Marienfels genannt. Der Zusammenhang soll kurz erläutert werden. Graf Wilhelm 1. von Katzenelnbogen hatte Irmengardis, die Tochter des Ludwig von Isenburg geheiratet. Irmengardis starb in jungen Jahren und der Witwer Wilhelm heiratete die Gräfin Adelheid von Waldeck. Mit diesen Heiraten waren jeweils auch Ausstattungen, Belehnungen und Wittumsgaben mit Dörfern auf dem Einrich verbunden und der tüchtige Graf Wilhelm verstand es, für sich das Beste daraus zu machen. Wilhelm der I. starb 1331, nachdem ihm vom Erzbischof von Trier sein Besitz auf dem Einrich noch einmal bestätigt worden war. 1345 verkaufte Ritter Rörich Blerrehase von Miehlen dem Grafen Wilhelm II. von Katzenelnbogen seinen Anteil an den Hörigen, die er gemeinschaftlich mit seinem Bruder Heinrich auf dem Einrich vom Grafen zu Lehen hatte für 65 Mark. 1364 gibt Ritter Heinrich von Miehlen an den Grafen von Katzenelnbogen alle seine Eigenleute auf dem Einrich, die er von ihm zum Lehen hatte für eine jährlich zu Weihnachten vom Zoll zu St. Goar fällige Gülte von 8 Mark St. Goarer Währung. Aufgezählt werden dann 12 Familien und Einzelpersonen aus verschiedenen Dörfern des Einrichs.

Kaiser Karl IV. Kaiser Karl IV. bekundet 1364, dass er, nachdem Graf Wilhelm von Katzenelnbogen sein Dorf Ruppertshofen auf dem Einrich mit Gräben, Pforten, Planken und Mauern zur Beschirmung von Land und Leuten befestigt hat, den Einwohnern von Ruppertshofen die Freiheit erteilt hat, ein Marktkreuz aufzurichten und alle Rechte zu genießen, welche andere Städte und Bürger von Kaiser und Reich seit alters her besitzen. 1398 bestätigt Graf Diether von Katzenelnbogen, dass er von Pfalzgraf Ruprecht ein Viertel am Vierherrengericht auf dem Einrich, in dem die Grafen von Nassau und Katzenelnbogen in Gemeinschaft sitzen, als Mannlehen erhalten hat. 1440 bekundet Johann Boos von Waldeck, dass er das Dorf Gemmerich auf dem Einrich mit Zubehör für 1.600 Gulden an Graf Johann von Katzenelnbogen verkauft hat.

Zu der Familie der Herren von Nassau, den Teilhabern am Vierherrischen, gehörte übrigens auch eine Burgmannenfamilie von den Erlen. Deren Wappen zeigt den Schrägbalken, wie er bei dem Nassau-Laurenburger Stamm üblich war. Diese Ritter von den Erlen (1324 Heinrich von den Erlin, 1344 Renbolt von den Erlen, 1489 eine Frau von Irle) führten ihren Namen wahrscheinlich von ihrem Besitz in Ehr, denn Ehr kommt 1353 als Eirlen (nach Urkunden aus dem Archiv der Freih. vom Stein) 1415 als Erle (Fürst. Wied. Archiv), 1526 als Ere (Sponheimer) und 1583 als Ehr vor.


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