Kapitel 3   –   Der Einrichgau

Abschnitt 4   –   Die Gaugrafen



Chlodwig, der Merowinger, hatte für sich das Recht in Anspruch genommen, die Gaugrafen zu bestätigen. Sein Urenkel Chlothacha II. musste 613 versprechen, den Gaugrafen nur aus den Grundbesitzern des betreffenden Gaues zu benennen. Als Karl der Große seine Gauverfassung durchsetzte, galt der Gaugraf als königlicher Beamter. Zu seinem Stellvertreter konnte er den Waltboten (Gewaltboten, Waldboten) ernennen. Mit der Zeit wurden die Gaue ganz als königliches Lehen betrachtet, das Grafenamt wurde erblich und seine Inhaber machten sich immer unabhängiger von der königlichen Gewalt. Zugleich verlor die Versammlung der Freien ihre Bedeutung, aus dem Gau wurde eine Grafschaft.

Wer waren die Gaugrafen des Einrichgaues?

Erwähnt wird ein Drutwin, er lebte zur Zeit König Konrads. In einer Urkunde von 964 erscheint er als ein „Mann ausgezeichneter Bedeutung“, der im Einrichgau begütert war und dort eine Burg besaß, die im Lipporner Wald stand. Ob er die Grafenwürde besaß, ist anzunehmen, aber nicht belegt. Die ersten, die als Gaugrafen namentlich genannt werden, sind Rodbert und Hugo (im Codex Diplomaticus nassoicus). Rodbert wird im Jahre 974, Hugo vier Jahre später genannt, und zwar Hugo gleichzeitig als Graf des Einrich- und des Niederlahngaues. Auch seine Nachfolger Gerlach I. (bis 1008) und Gerlach II. scheinen das Grafenamt über beide Gaue besessen zu haben.

Ein entscheidender Einschnitt für die Geschichte des Einrichs und der Gaugrafen war dann schon die erwähnte Schenkung der Grafschaft 1031 durch Konrad II. an das Trierer Erzbistum. Mit dieser Urkunde, am 20. Juli 1031 in Goslar ausgestellt, erhält Trier die im Einrichgau gelegene Graftschaft Marienfels mit dem üblichen Zusatz, Trier dürfe mit der Grafschaft beliebig umgehen, sie sogar veräußern. 1039 bestätigt Heinrich III. diese Schenkung.

Man geht aufgrund einiger Besonderheiten der Beschreibung davon aus, dass die Grafschaft mit dem 880 beschriebenen Einrichgau gleichzusetzen ist. Mit dieser Schenkung ist wohl auch ein Trennungsstrich zu ziehen zwischen den alten Gaugrafen des Einrichs und den neuen trierischen Lehensträgern. Als solcher wird 1042 Graf Berthold auf dem Einrich genannt. Diesen Grafen Berthold nennt auch Sponheimer in seiner „Landesgeschichte der Niedergrafschaft Katzenelnbogen“. Spielmann (Geschichte von Nassau) erwähnt einen Grafen Arnold. Vermutlich denkt Spielmann hier an eine Urkunde von 1034, die er aber nicht erwähnt, in der Bischof Azecho von Worms dem Domstift zu Worms sein Königsgut zu Nassau übereignet, in der Grafschaft der Grafen Wigger und Arnold gelegen, 40 Hufen mit allem Zubehör. Wigger stand wahrscheinlich dem Engersgau vor, Arnold war Gaugraf des Einrichgaues. Seltsamerweise finden die Schenkungsurkunden von 1031 und 1039 bei Spielmann gar keine Erwähnung, und es taucht bei ihm an späterer Stelle die Frage auf, warum der Einrich zur Erzdiözese Trier gehörte, die, hätte er die Urkunde gekannt, überflüssig gewesen wäre. Andererseits, warum hat Sponheimer, der sein Werk später als Spielmann schrieb, sich nicht mit dessen Anschauungen auseinander gesetzt?

Im Jahre 1067 begegnet man zum ersten Mal im Einrich dem Namen eines Grafen Ludwig, der sicher als Graf von Arnstein angesehen werden darf, da sie sämtlich den Namen Ludwig trugen. Ab 1105 werden sie nach ihrem Sitz, ihre Burg stand auf einer Höhe bei Obernhof, unweit der Mündung des Dörsbaches in die Lahn, als Grafen von Arnstein auch in Schriftstücken bezeichnet. Die Burg soll von dem oben erwähnten und später ausdrücklich als Gaugraf im Einrich bezeichneten Arnold zwischen 1048 und 1052 erbaut worden sein. Es ist möglich, dass ihr Geschlecht überhaupt als erstes von Trier die Grafschaft Einrich zu Lehen empfangen hat und dass Berthold und Arnold Vorfahren des 1067 genannten Ludwig waren. Dann fällt bei den Nachfahren des Grafen Ludwig die Bezeichnung Gaugrafen weg und wir hören nur noch von den Grafen von „Arinstein“.


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