Kapitel 3   –   Der Einrichgau

Abschnitt 2   –   Name und Ausdehnung des Einrichgaues



Während man in der alemannischen Zeit (bis 500) eine Einteilung in Gaue nur vermutet, wird eine solche in der Frankenzeit urkundlich bestätigt. Karl der Große führte die Gauverfassung im ganzen Frankenland durch. Die Gaueinteilung nahm ihre Bestimmungen und Benennungen teils vom Boden her, teils wurde der Sitz eines Volksstammes berücksichtigt. Zwischen Rhein, Lahn, Aar und Wisper lag der Einrichgau. Namentlich wird er zum ersten Male erwähnt nach Spielmann 773 als Pagus Einricha. Es liegen zwar mancherlei Erklärungsversuche dieses Namens vor, doch bieten die meisten keine zufriedenstellende Lösung. Der Name kommt in folgenden Formen vor:

Schliephake (Geschichte von Nassau 1) vermutet darin den Namen eines Volksstammes der Intuergen. Wirtz versucht, ihn in den Bonner Jahrbüchern Bd. 122 von dem Personennamen Heinrich abzuleiten. Da die fränkischen Gaue des Rheinlandes in der Regel nach Ortschaften (Engers-, Deutz-, Zülpichgau), Flüssen oder Volksstämmen benannt sind, nimmt Wirtz an, dass der Name alemannischen Ursprungs sei. Bach (Die Siedlungsnamen des Taunusgebietes) wirft die Frage auf: „Ist nicht etwa auch Einrich ein alter Siedlungsname?“ Er vermutet darin den ursprünglichen Namen des heutigen Marienfels, des Vorortes des Einrichgaues. Ohne Zweifel hat dieser Deutungsversuch etwas für sich. Angesichts der Tatsache, dass die fränkischen Gaunamen sich vielfach an den Namen des Gauvorortes anlehnen, könnte man in dem Wort Einrich die Fortsetzung des römischen Namens von Marienfels vermuten. Brenner (Nass. Heimatblatt 17) will das althochdeutsche richi = Reich oder Herrschaftsbezirk darin erblicken. Es ist eigentlich verwunderlich, dass der Name Einrich noch nicht in Verbindung gebracht wurde mit den Arnsteinern. Die Gaugrafen des „Ahnrichs“ nannten sich später die Arinsteiner. Kann hier ein Zusammenhang vermutet werden? Im Abschnitt über den Walsdorfer Hof verweise ich noch auf eine alte Sage, nach der auf dem sogenannten Arnsteiner Hof ein Schloss, vielleicht das Hauptgebäude der Grafschaft und der Sitz der Gaugrafen gestanden habe.

Welcher der angeführten Deutungsversuche der Wahrheit entspricht oder am nächsten kommt, läßt sich kaum entscheiden. Zu den frühen Erwähnungen sei noch festgestellt, dass König Ludwig (der Deutsche) am 31. März 845 bekundete, dass sein getreuer Graf Gebhard ein „Stift zu Ehren Gottes, unseres Erlösers Jesu Christi und des hl. Apostelfürsten Petrus“ im Lahngau begründete. Er schenkte ihm daraufhin im Einrichgau (in pago Eynrichio) das Dorf Lierschied. Diese Urkunde liegt in mehreren späteren Abschriften vor und jedesmal ist der Name des Gaues anders geschrieben: Wenn sich schon von Abschrift zu Abschrift die Namen so stark verändern, dann kann man die starken Abweichungen bei der Schreibweise der Namen im Laufe der Jahrhunderte verstehen. Das liegt wohl auch daran, dass in alten Urkunden einzelne Buchstaben so verschnörkelt und kunstvoll „gemalt“ wurden, dass es schwer fällt, sie zu erkennen und zu unterscheiden.

Einrichgau Die Ausdehnung des Einrichgaues ist ziemlich genau festzustellen an den Kontroversen über die Festlegung der Gaugrenzen und aus einer Anzahl urkundlicher Angaben über Gau- und Grafschaftszugehörigkeit einzelner Orte. Der Rhein bildete die Westgrenze des Einrichgaues, seine Nordgrenze folgte der Lahn bis zur Mündung des Gelbaches, führte wahrscheinlich diesen Bach aufwärts bis zu dem heutigen Dorf Isselbach, dann in südöstlicher Richtung nach der Lahn bis unterhalb von Diez. Im Osten stieß der Einrich an den Niederlahngau, im Südosten und Süden an den Rheingau. Der Teil rechts der Lahn hieß die Esterau und bildete später die Grafschaft Holzappel. In den ältesten Urkunden werden aus dem Einrichgau erwähnt: Vor allem Kirchen und Klöster versuchten schon früh, sich Besitz im Einrichgau zu verschaffen. Das Kloster Prüm hatte 765 als Schenkung die Zelle zu St. Goar erhalten und im Prümschen Urbar von 893 werden einige Dörfer im Einrich als Prümscher Besitz genannt. Im 10. Jahrhundert versuchte auch die Mainzer Kirche, im Einrich Land zu erwerben. So wird Ruppertshofen als Mainzer Besitz erwähnt und eine Villa Urefo. Durch Urkunde von 1089 übertrug Prüm dem Tochterkloster St. Goar den Zehnten im ganzen Einrich.


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