Kapitel 2   –   Marienfels zur Zeit der Römer

Abschnitt 9   –   Die Bedeutung der Römerzeit für Marienfels



Die Frage, ob in der Römerzeit Brücken über den Mühlbach führten, kann verneint werden. Wahrscheinlich waren am Sauerbrunnen und auch bei der Kirche nur Furte, so wie sie auch im frühen und späten Mittelalter auch benutzt wurden. Erst nach dem Jahre 1832, nachdem der Sauerbrunnen verkauft worden war, konnte die Gemeinde eine feste Brücke ganz im römischen Stil erbauen. Dabei wurde die Straße ab dem Anwesen Bauer angehoben und die zwei Wohnhäuser, Hendorf und Lehmann, kamen dadurch etwas mehr in den Boden.

Auf dem Felsen, der heute eine Kirche trägt, stand wahrscheinlich in römischer Zeit ein Tempel, der auch dem Mithras geweiht war, wie so viele andere an der Reichsgrenze. Eindeutig beweisen die vor Jahren freigegrabenen Fundamente im Mittelteil der Kirche, die in Fischgratform errichtet wurden, daß hier ein römischer Bau stand. Ob nun der Tempel weiter in Richtung Scheune Gemmer verlief ist ungewiss, denn auch hier fanden sich ähnliche römische Fundamente. Auf den Gott des Lichtes, Mithras, deuten viele Lichterhäuschen, die, aus Ton gebrannt und mit Öl gefüllt, den Tempel erhellten. Sie wurden vor Jahren hier gefunden, und einige fanden einen Platz im Museum zu Wiesbaden. Anzunehmen ist auch, dass auf diesem Felsen schon in vorrömischer Zeit ein keltisches oder germanisches Heiligtum stand, denn die alten Wege, die von den Römern angetroffen wurden, trafen sternartig auf diesen Ort.

Limes Versetzen wir uns einmal auf die andere Seite hinter den Limes. Seit über hundert Jahren stand der Grenzwall, doch die germanische Bevölkerung konnte nur die hölzerne Mauer, die hohen Pfähle sehen, die sich wie eine drohende Wand über die Höhen und Täler hinzog. Wohl gab es Durchlässe, Tore zum Handel und zum Benutzen der Steinbrüche durch die Römer an der Lahn, doch allgemein war die Grenze dicht. Deshalb ist auch zu verstehen, dass immer nur von dem Pfahl, dem Pohl oder Pol bis in unsere Tage gesprochen wird. Doch so richtig ruhig war es auf der feindlichen Seite, im germanischen Hinterland nicht. Die Chatten und Alemannen hatten inzwischen ihren Bruderzwist beendet und rüsteten zum Angriff auf das römische Reich im Taunusgebiet. Schon vor einigen Jahren hatten die Alemannen südlich des Mains den Römern blutige Kämpfe geliefert, sie wurden aber zurückgeschlagen.

Doch nun brach in den Jahren 258 - 260 n. Chr. der Sturm los, der Limes wurde überrannt und die Römer aus dem rechtsrheinischen Gebiet vertrieben. Mit welcher Urgewalt und Stärke dieser Angriff auf die Grenzanlagen, Kastelle und Orte geführt wurde, zeigt die vollständige Zerstörung von „Marvelis“. Darauf könnte die starke Brandschicht deuten, die oben erwähnt wurde. Alles Brennbare konnte ein Raub der Flammen werden und alles, was an Haus- und sonstigen Gerätschaften vorhanden war, ist wohl zerschlagen worden. Deshalb finden wir heute im Boden fast nur noch Scherben und Bruchstücke. Wieweit es zu Kämpfen gekommen ist, lässt sich nicht sagen, wahrscheinlich hatte sich die Grenztruppe zur Wehr gesetzt und wurde vernichtet, während die Bevölkerung vielleicht über den Rhein fliehen konnte. Zurück blieben von dem römischen Ort im Mühlbachtal nur Mauern, Asche und Scherben.

Wenn wir jetzt unser Wissen um diesen Römerort zusammenfassen, dann können wir mit Habel von 1803 sagen: „... dass dieser Ort von den ersten Zeiten sehr wichtig war, dass die Geschichte von dem alten verschütteten römischen Orte sehr dunkel sei und dieses Aufhellung erfordere und verlange“. Vieles liegt noch im Dunkeln und nach Prof. Schoppa „ist Marienfels noch ungenau untersucht“. Doch ein klein wenig ist es heller geworden. So wie man immer wieder neue Erkenntnisse erlangte, seit 1812, als man entdeckte, dass der Limes nicht hinter Becheln in Richtung Rhein bei Braubach ging, sondern im Bogen auf Bad Ems, über den Westerwald nach Rheinbrohl, so dürfte auch der erste Grenzverlauf bei Marienfels und derjenige nach der Begradigung jetzt einigermaßen geklärt sein. Hier darf die Arbeit von Horst Brusberg aus Wiesbaden nicht unerwähnt bleiben, der 1989 in wochenlangen Untersuchungen im Gelände draußen für „Aufhellung“ des Limesverlaufes sorgte. Er war es auch, der in mühevoller Kleinarbeit das Archiv zu Wiesbaden durchforschte und einiges Interessante, wie den Bericht von Hofkammerrat Habel aus dem Jahre 1803, aufspürte.

Das römische Marienfels, das nun seit 190 Jahren durch größere und kleinere Nachforschungen mehr und mehr ans Licht gekommen ist, wird auch künftige Generationen beschäftigen. Nach einer langen Zeit voller Desinteresse bei den Einwohnern und besonders der Jugend, ist nun allgemein zu spüren, dass die reichhaltige Geschichte unserer Heimat wieder mehr gefragt ist. Das gilt vor allem für die Römerzeit, die unserer Gegend einen unverkennbaren und bleibenden Stempel aufgedrückt hat.

Man möge Nachsicht üben gegenüber dem Verfasser, der hier nur einzelne Mosaiksteinchen aufzeichnen konnte. Bleibt nur zu hoffen, dass die Fachgelehrten und die Wissenschaft die fehlenden Steine beschaffen und dann ein vollständiges Bild von dem Römerort zusammensetzen und vorzeigen können. Wir alle zusammen haben die Aufgabe, das Erbe der Römer weiter zu erforschen, zu pflegen und unseren Nachkommen zu erhalten.


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