Kapitel 2   –   Marienfels zur Zeit der Römer

Abschnitt 8   –   Das Kastell Hunzel



Wenn wir bisher von dem alten Römerort berichteten, dann darf das vorgelagerte Kastell in der heutigen Gemarkung Hunzel nicht unerwähnt bleiben. Es war nach Dr. Bodewig etwas größer als das von Augst, Heftrich und Feldberg. Wahrscheinlich lag ein Numerus der Auxiliartruppe in der Stärke von 200 - 400 Mann in diesem Kastell, mit der Aufgabe, den Wachdienst an der hier strategisch so ungünstigen Grenze zwischen dem Mühlbachtal und der Höhe vor Pohl auszuüben. Der Limes ging auf der nördlichen Seite des Hunzelbachtales bis fast an das Kastell heran, sehr gut erhalten mit Wall und Graben ist er noch in der „Haaselick“, einem kleinen Walddistrikt innerhalb der Feldflur von Berg.


Kastell Hunzel


Die Flur, in der sich das Kastell befunden hat, heißt „Im Broch“ (Bruch), sie ist zum Tal hin sehr wasserreich. Der gute Ackerboden hat hier bewirkt, dass schon seit langer Zeit alle Mauerreste bis auf die Fundamente beseitigt wurden. Das Kastell bildete, wie fast alle römischen Kastelle, ein Rechteck mit stark abgerundeten Ecken. Die Außenmaße betrugen 90 x 84 Meter. Die Umfassungsmauer ist durchweg 1,20 m stark, sie hatte nur auf der Tal- oder Frontseite eine 7 m lange rampenartige Verstärkung. Die Dächer der Eingangstore waren mit Schiefer eingedeckt, wahrscheinlich auch die der anderen Gebäude. Auch bei den Ausgrabungen in Marienfels hatte man reichlich Reste von Schieferplatten gefunden. Das Hauptgebäude des Kastells, das Praetorium, war mit seinen Grundmauern noch gut erhalten, es erwies sich als schwach fundamentierter Bau. Ebenso waren die anderen Bauwerke noch recht gut in dem gewachsenen Boden auszumachen.

Der das Kastell umgebende Spitzgraben hatte eine Breite von 4 m und war in dem Untergrund noch in einer Tiefe bis 1,40 m festzustellen. Spuren einer Heizanlage zeigten sich in keinem Raum der Gebäude, ebensowenig Fundstücke, außer Nägeln, kleinen Bruchstücken von Deck- und Hohlziegeln und einer Bronzemünze. Das Material zum Bau des Kastells lieferte wohl der nahe Kuckucksberg. Vereinzelt wurden Stücke von rotem Sandstein angetroffen. Spuren einer bürgerlichen Niederlassung fanden sich in Richtung zum Kirchweg. In 200 m Entfernung wurden die Reste eines Gebäudes gefunden, ebenfalls befanden sich in diesem Gebiet verstärkt Steine und kleinste Scherbenreste.

Im Zuge des Alemannensturmes um 258 - 260 n. Chr. wurde auch das Kastell Hunzel überrannt und vernichtet. Wichtig war die rückwärtige Verbindung des Kastells mit dem Ort „Marvelis“. Hier dürfte der Weg, der vom Ort Hunzel aus unterhalb des Friedhofes über das Tal, die Flur „Goldgraben“ schneidend, in die Braubacher Gewann geht und dann als „Kirchweg“ durch den Marienfelser Wald ins Dorf verläuft, die Hauptverbindung gewesen sein. Der Fußweg durch das Hunzelbach- und danach Bergerbachtal war niemals geeignet als Verbindungs- und Nachschubweg.

Ganz deutlich sind im Marienfelser Gemeindewald verschiedene Aufstiegspfade und Zufahrtswege zum Kastell Hunzel noch zu erkennen. Die ältesten verlaufen etwa wie der erste Grenzgraben und alle erreichen sie den Waldrand in einem Abschnitt von 30 m. Daß hier so viele Fußpfade aus dem Tal auf die Höhe führen, ist erklärlich, weil viele Fußsoldaten im Kastell lagen, weil viele Menschen als Gefangene und Sklaven Hilfsdienste leisten und Lasten schleppen mußten und weil der eigentliche Fahrweg nur den pferde- und ochsenbespannten Fahrzeugen vorbehalten war. Diese Laufwege neben den römischen Straßen sind im rückwärtigen Limesgebiet noch gut auszumachen. Von den Zufahrtswegen und Pfaden zum Kastell Hunzel sind heute nur noch der befestigte Kirchweg und der Hunzeler Klippenpfad erhalten. Während der erstere auch im Mittelalter ein Teil der kürzesten Verbindung zwischen Braubach und Katzenelnbogen war, wurde der Klippenpfad von Kirchgängern und Schulkindern aus Hunzel zur Kirche und Schule in Marienfels noch bis in unsere Tage benutzt.


zurück ... 2.7. Einzelfunde in Marienfels 2.9. Bedeutung der Römer für Marienfels weiter ...

© Gemeinde Marienfels  –  alle Rechte vorbehalten