Kapitel 2   –   Marienfels zur Zeit der Römer

Abschnitt 7   –   Einzelfunde in Marienfels



Bei systematischen Grabungen und zufälligen Entdeckungen wurden viele Einzelfunde in Marienfels gemacht. Sie alle aufzuzählen würde in dem gegebenen Rahmen zu weit führen. Es möge deshalb eine Auswahl der wichtigsten Fundstücke folgen, die sich größtenteils im Museum in Wiesbaden befinden.

Da ist vor allem die große Zahl von gestempelten Ziegeln zu nennen. Sie stammen ausschließlich von der 22. Legion. Von den in das Wiesbadener Museum gekommenen Ziegeln tragen nur drei die Bezeichnung der 22. Legion allein, alle übrigen (21 Stück) nennen dabei noch einen Ziegelmeister: Helvius Montanus (7), Mancandius (4), Julius Primus (4), Justum (1), Strabo (1), Sigle EID (2), I.I.SF (1) und ein Ziegel trägt das Zeichen einer Palme. Ich darf vielleicht an dieser Stelle auf eine Sage hinweisen, die ich im Dorfe hörte. Nach dieser Sage, betitelt „Der Hauptmann, der am Kreuze stand“, soll ein Hauptmann der Besatzung des hiesigen Kastells bei der Kreuzigung Christi dabei gewesen sein. Es steht tatsächlich fest, daß die 22. Legion sich aus dem christlichen Syrien rekrutierte.

Münzen:
Groß- und Mittelerze von Claudius (41 n. Chr.), Domitian, Traian, Hadrian, Antonius Pius, Faustina 1., Marc Aurel Faustina II., Commodus und Septimus Severus. Dazu kommt der große Münzschatzfund aus dem Jahre 1861. Gastwirt Clos fand in seinem Hof einen irdenen Krug mit über 1.500 Münzen. Der Finder behielt davon 7 Stück, 126 kaufte das Wiesbadener Museum, und der Rest wurde nach Boppard verkauft. Bei Durchsicht der in das Museum gekommenen Stücke ergab sich, daß die Münzen von Faustina der Jüngeren (Gemahlin des Marcus Aurelius, gestorben 174 n. Chr.) bis zu Maximus Thrax. (235 - 238) reichten.

Gold:
Nadel aus Elfenbein mit goldnem Knopf, 6,5 cm lang. Der kugelförmige Knopf mit Spitze und Tülle ist 12 mm lang und 8 mm dick, gefunden im Bad.

Silber:
Ein Fingerring mit Platte und eingravierter Inschrift 1 0 V C. Ein weiterer Fingerring mit der Inschrift 1 A G.

Bronze:
Verzierte Bronzehenkel, eine Schale, eine runde Zierscheibe, eine Bronzenadel mit Kopf, zwei Schreibgriffel mit kurzem schau felartigem Ende, das Bruchstück einer Verschlussklappe eines Wasserleitungsrohres.

Eisen:
Ein Siegelring, der Stein ist ausgefallen, ein Hiebmesser mit Griff, eine Zange und drei Nägel mit breiten Köpfen.

Blei:
Zwei Bruchstücke eines Bleirohres.

Stein:
Rechte untere Ecke einer Inschrifttafel aus grauem Sandstein mit den Buchstaben VO Ante, ein ornamentierter weißer Sandstein (es scheint ein Pilastersockel gewesen zu sein) der 70 cm x 75 cm im Grundriss misst und trotz der Verstümmelung noch 45 cm hoch ist, das Bruchstück eines MÜhlsteines.

Ton:
Tongegenstände wurden in solcher Menge gefunden, Bodewig beschreibt allein etwa 80 Arten, dass ich hier nur die wesentlichsten nennen möchte: Teller, Tassen, Schalen und Reibschalen, teils mit Kerbschnittverziehrung, teils mit im Innern der Gefäße auf vertieftem Grund mit erhabenen Buchstaben angebrachten Stempeln. In der Form gepresste Schüsseln mit außen am Rand angebrachten Stempeln. Bemalte Teller, Tassen, Urnen und Krüge oder Teile davon.

Bein:
Griffel von Elfenbein mit abgeplattetem Kopf, Messerchen mit verziertem Beingriff, etwa 50 Haarnadeln, eine davon mit einem Eichhörnchen verziert, kleine Perle aus hartem Bein, Geweihteile vom Hirsch, Knochen und Zähne von Pferd, Rind und Schwein.


Fundstücke


Ein Gräberfeld, wie es eigentlich zu einem großen Ort gehört, wurde bisher nicht gefunden, Dr. Bodewig berichtet nur von einem Einzelgrab im Ort selbst. Doch es dürfte wahrscheinlich entlang der alten Straße vor und hinter dem Weißen Graben zu suchen sein. Einmal heißt die Flur rechts der Straße „Im hohlen Berg“ und zum anderen wurden links der Straße bisher schon Gräber gefunden. An ein Ereignis kann ich mich erinnern und es sollte hier festgehalten werden. Kurz nach dem letzten Krieg pflügte der Landwirt Julius Laux mit seinem Pferd einen Acker in der „Gründeseit“. Dabei stieß er plötzlich auf ein mauerartiges Bauwerk, abgedeckt mit einer Schieferplatte. J. Laux ließ Pferd und Pflug stehen, hastete nach Haus und holte Kreuzhacke und Schaufel. Auf meine Frage „Wott es los?“ sagte er im Vorbeigehen „Ich honn wott entdeckt“ und hastete weiter zum Acker. Julius machte sich dort nun zu schaffen, brachte den Deckel aus Schieferstein zur Seite und stieß nicht auf einen vermuteten Schatz, sondern hatte ein gut erhaltenes Steinkistengrab ohne jeglichen Inhalt freigelegt. Das Grab lag in Ost-West-Richtung und wurde nach der mühevollen Arbeit wieder zugedeckt und nicht weiter untersucht. Anders dagegen sind auf der Höhe, entlang der Braubacher Chausee Sandsteinplatten, die von Grabsteinen oder Grabmälern stammen, aus dem Boden geholt worden. Die Platten zeigen Reliefs von Figuren, Inschriften waren keine zu erkennen. Danach dürfte feststehen, dass die Toten des römischen Ortes in westlicher Richtung entlang der Braubacher Chaussee bestattet wurden. Diese weiträumige Bestattung entlang von Ausfallstraßen war bei den Römern auch andernorts vielfach üblich.


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