Kapitel 2   –   Marienfels zur Zeit der Römer

Abschnitt 2   –   Das Römische Bad



1849 waren die Söhne des damaligen Bürgermeisters Joh. Gottfried Hausen nördlich vom Ort in den Bornwiesen bei einer Bodenerhebung auf ein rundes Mauerwerk gestoßen. Nach einer Benachrichtigung der zuständigen Stellen bei der Herzoglichen Regierung in Wiesbaden ließ der Nassauische Altertumsverein unter der Leitung von K. Habel eine größere Ausgrabung vornehmen. Diese brachte eine Badeanlage von 36 m Länge und 18 m Breite zu Tage. Die Ruine muss um diese Zeit noch gut erhalten gewesen sein. Von ihr wurde ein Modell angefertigt, das im Museum zu Wiesbaden aufbewahrt wurde. Danach wurde die Baderuine sehr zerstört, denn der Eigentümer der Wiese, Christian Hausen, berichtete später, sein Vater hätte damals mehrere Wagen voll Hypokaust- und Bodenplatten verkauft und einige Räume ihres Wohnhauses mit großen und kleinen Ziegelplatten gepflastert.


Römisches Bad
Aufbau eines römischen Bades. Weiter links war noch ein Anbau mit dem Aus-
und Ankleideraum und den Toiletten. Ganz rechts der Feuer- und Heizraum.


Das ausgegrabene Bad wurde von v. Cohausen und Jacobi in den Nass. Annalen XVII, wie folgt beschrieben: „Das Badegebäude liegt 30 m von der Nordseite des jüngeren Kastells entfernt in den Wiesen. Die genaue Lage der Mauern ist nicht bekannt und die Einzeichnung auf Tafel II beruht auf mündlichen Angaben des Grundeigentümers der betreffenden Wiese, Altbürgermeister Chr. Hausen, der bei der Ausgrabung zugegen war und zahlreiche Hypokaustplatten ausgebrochen hat.“

Der Eingang befand sich auf der Südwestseite. Durch einen Hof von 18,70 m Länge und 10,50 m Breite gelangte man in das Apodyterium E mit dem Frigidarium F, von dort einerseits zum Tepidarium C und den beiden Caldarien B und A, andererseits zu dem Sudatorium D, die sämtlich mit Suspensuren versehen waren. Die Hauptheizung befand sich bei a; der Raum ist durch eine Quermauer in zwei Gelasse geschieden, ebenso wie in Stockstadt (Limesblatt 5. 457), von denen man das dem Caldarium zunächst gelegene vielleicht als Alveus auffassen kann. Über den Praefurnien b, c und d standen Kessel auf den erweiterten Heizgängen. In der Wand zwischen C und d fand man ein Bleirohr mit Bronzebeschlag, dessen Klappe sich nach C hin öffnete. Alle Räume liegen im gleichen Niveau mit Ausnahme von a, b, d und F. Westlich dicht an der Mauer wurde bei G ein Ziehbrunnen von 0,95 m Durchmesser gefunden. Seit der Ausgrabung des Bades im Jahre 1849 ist die damals so wohl erhaltene Ruine jedenfalls sehr zerstört worden.


Badeanlage
Modell des Bades im Wiesbadener Museum


Die Römer legten großen Wert auf Körperpflege und Reinlichkeit. Wie in den großen Städten und Garnisonen, waren die Thermalbäder auch bei den Truppen an der Grenze, am Limes und an der Front vorhanden. Nach der Kastellverlegung wurde sehr wahrscheinlich auch von der Besatzung des Kastells Hunzel das nahegelegene Bad im Mühlbachtal mitbenutzt.


Badeanlage


Der Standort des Bades war wohlweislich gewählt worden. Denn die ergiebige Quelle des Kaltenbornes (später die Römerquelle genannt) und anderer dabei, brachten an einem Tag 600 m3 Wasser, das im freien Zulauf bis zu diesem Bad geführt werden konnte. Dazu hatte das Wasser eine konstante Temperatur von 5 Grad, es gefror im Winter nicht.

Den Bewohnern des römischen Ortes „Marvelis“ war die Therme auch eine Stätte des öffentlichen Lebens. Man traf sich hier, betrieb Händel, machte Lokalpolitik und schloss Geschäfte ab. Das Baden war die beliebteste Freizeitbeschäftigung, und die Therme der Mittelpunkt des Ortes.

Versetzen wir uns nun in einen Römer von damals. Dieser wollte etwas für seine Gesundheit tun, aber auch etwas von den Tagesneuigkeiten mitbekommen. Durch den Vorhof betrat er das Apodyterium, den Umkleideraum, legte seine Kleidung ab und ging in das Tepidarium, den Warmraum. Hier konnte er bei angenehmer Temperatur sitzen mit Freunden reden oder sich auch massieren lassen. Immer und überall waren hilfsbereite Geister zur Stelle, Sklaven und Diener, die alle Arbeiten verrichteten. Jetzt, gutgelaunt, stieg unser Römer im Caldarium, dem Heißbad, in eine Wanne mit heißem Wasser, er konnte aber auch im Sudatorium in heißem Dampf ein Schwitzbad nehmen. Schon damals hatten die Römer den Wert einer Sauna erkannt. Nach kräftigem Aufheizen im Wasser oder Dampf stieg unser Mann nun ins Frigidarium, in das Kaltwasserbecken zur Abkühlung. Dieselbe Prozedur konnte er ein paar Mal vollziehen, alles war ja reichlich vorhanden, heißes Wasser in Wannen oder aus Hähnen und kaltes Wasser in jeder Menge.


Kastell
Ansicht eines Limes-Kastells aus der Zeit um 120 n. Chr. Die Badeanlage liegt
hier – wie bei den meisten Garnisonen – außerhalb der Befestigungen, aber in
ihrer unmittelbaren Nähe (rechts, vorderer Gebäudeteil)


Mit rosiger Haut legte er sich zum Schluss auf eine angenehm warme Bank und ließ sich einölen. Alle „Anwendungen“ waren ja zu haben. Solchermaßen gestärkt und wie neu geboren verließ unser Römer nun dieses Bad, das nur männlichen Besuchern vorbehalten war. Die ganze Anlage wurde beheizt durch eine ausgetüftelte Feuerungsanlage. Viel Holz oder Holzkohle war erforderlich, um diese Fußböden und Wände mit Wärme zu versorgen und das viele heiße Wasser bereit zu halten. Daneben waren Aborte vorhanden und Kanäle, die alle Abwässer direkt zum nahen Bach führten.
Badeanlage

Im Jahre 1861 fand der Gastwirt Clos bei Ausschachtungsarbeiten in seinem Hof einen irdenen Krug mit etwa 1.500 Denaren. Diese röm. Münzen stammten aus den Kaiserjahren 170 bis 250 n. Chr. Der Münzfund erregte in allen Kreisen der Altertumsforschung großes Aufsehen, ausführlich wurde er von Ritterling in der Westdeutschen Zeitschrift damals besprochen. 1862 wurde die Fundstelle noch einmal vom Bauunternehmer Emmel in Miehlen untersucht. In der Umgebung fand man reichlich Reste von Vasen, Gebrauchsgeschirr und Bronzehenkel.

Limes
Zwanzig Jahre später, im Jahre 1882 unternahm derselbe Bauunternehmer noch einmal im Auftrag des Vereins für Nass. Altertumskunde Ausgrabungen in der Flur „Kirchgarten“. Hier vermutete man größere Bauten, doch außer einigen Hypokaustgelassen fanden sich auch hier keine umfangreichen Mauerreste.

Die Hypokausten waren Heizungskeller mit besonderer Einrichtung für Fußbodenheizung. Sie wurden aus etwa 70 cm hohen Pfeilerchen aus Ziegelstein gebildet, auf denen der Fußboden ruhte, der aus 9 cm starken Ziegelplatten bestand. Der so entstandene Hohlraum wurde durch Heizgas erhitzt, das von einer Feuerstelle aus unter dem Fußboden durch das Gebäude strömte. Nach H. Mylius „verließen die Heizgase das Hypokaustum durch einen hohl ausgebildeten Wandbelag, der den Rest meist allseitig umkleidete. Über Dach entwichen sie durch Dachziegel mit besonders angeformten Schornsteinköpfchen. So versahen Fußboden und Wandflächen die Funktion eines Heizkörpers mit großer Fläche, aber selbst relativ geringer Temperatur“.

Diese Art der Heizung erzeugte in den Räumen eine angenehme Wärme. Die Eroberer aus dem warmen Süden machten sich durch diese Einrichtung den Aufenthalt in dem kälteren Germanien angenehmer und heimischer. Allerdings wurde für diese Heizung reichlich Holz und Holzkohle gebraucht, besonders wenn es sich um ein großes Gebäude oder gar um eine Badeanlage handelte. Doch Holz war ja reichlich vorhanden, ebenfalls waren auch Arbeitskräfte, Sklaven und Gefangene, immer zur Hand, um die Heizung funktionsfähig zu betreiben.


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