Kapitel 1   –   Die vorrömische Zeit


In der Urzeit bis weit in die geschichtliche Zeit hinein war unser Gebiet in seinem gebirgigen Teil von einer Waldwildnis bedeckt.

Der Mensch trat hier wahrscheinlich in der vorletzten Eisperiode des Diluviums zuerst auf. Nach ihren Werkzeugen unterscheidet man die Paläolithiker (ältere Steinzeit) und die Neolithiker (jüngere Steinzeit, schon geschliffene Steingeräte). Über das Woher dieser ersten Menschen wird viel gemutmaßt, und bei diesem Mutmaßen wird es auch bleiben. Schriftliche Überlieferungen aus dieser Zeit gibt es nicht, hier kann nur die Wissenschaft des Spatens Aufschlüsse über das Leben der Vorfahren bringen. Totenbestattung, Schmuck, Werkzeuge, Waffen, Geschirr, Stoffreste können Hinweise auf die Lebensweise geben.

Funde aus der älteren Steinzeit sind für unser Gebiet nicht bekannt. Die sesshaft gewordenen Menschen der jüngeren Steinzeit (ca. 3000 v. Chr.) trieben schon Ackerbau und Viehzucht, benutzten schon formenreiche und vielfältige Gefäße aus Ton. Das gibt die Möglichkeit, Kulturkreise und Völker gegeneinander abzugrenzen. Fundstellen mit Beigaben der Spiralkeramik sind beispielsweise aus Lahnstein bekannt.

Hügelgrab Der Steinzeit folgte im 2. Jahrtausend v. Chr. die Bronzezeit. Aus dieser Zeit stammen die meisten Hügelgräber (Hünengräber, hohe Gräber) in unserer näheren Heimat. In diese Periode fällt der Einbruch der Kelten in unser Gebiet und ihr Sieg über die hier wohnenden Ligurer. Dieses Eroberervolk indogermanischen Ursprungs kam nach einer Theorie aus dem Norden, nach einer anderen aus Gallien. Sie lebten hier während der Hallstattzeit (ältere Eisenzeit, 1000 - 500 v. Chr.) und der La-Tene-Periode (jüngere Eisenzeit, 500 v. Chr. Geburt). Keltische Siedlungen wurden entdeckt in Niederlahndtein und Braubach von W. Soldan und R. Bodewig. Zahlreiche Funde aus dieser Zeit liegen vor, so aus Dachsenhausen, Geisig, Singhofen, Nastätten. Diese Kelten waren es auch, die Schanzen (Lipporn) und Ringwälle (Weiseler Höhe, Loreley, Alteburg bei Singhofen) zum Schutz gegen Feinde anlegten. Geschichtliche Erinnerungen haben die Kelten auch in Namen von Flüssen, Bergen und Gemarkungen hinterlassen: Dun, auf keltisch die Höhe, wurde zu Taunus, Rhynn zu Rhein.

In keltischer Zeit stellten schon Straßen, oft Hohe Straßen oder Hochstraßen genannt, weil sie, wo es möglich war, über Höhenzüge oder Wasserscheiden führten, die Verbindung zwischen den einzelnen Siedlungen her. Es waren natürlich nur Erdwege, Kunststraßen in unserem Sinne gab es noch nicht. Bodewig beschreibt einen solchen Weg von Friedrichssegen über Frücht und Schweighausen nach Marienfels und einen weiteren über Dachsenhausen, Marienfels, Hunzel, Pohl nach Holzhausen zur Bäderstraße, die die Bevölkerung noch heute die Hochchaussee nennt.

Entlang dieser Wege findet man aus der Hallstattzeit zahlreiche Skelett- und Urnengräber. Das große Gräberfeld im Distrikt Pfarrhofen bei Nastätten mit 76 Grabhügeln wird der Eisenzeit zugerechnet. Die Armut der Grabbeigaben weist auf eine nicht gerade wohlhabende Bevölkerung hin.

Eine gallische Welle stieß in der La-Tene-Zeit in den westlichen lhunus vor, und auf diese Gallier trafen in der Spät-La-Tene-Zeit die nach Süden vorrückenden Germanen, die etwa 100 v. Chr. die Rhein-Main-Linie erreicht hatten. Es entstand eine keltisch-gallisch-germanische Mischbevölkerung und Mischkultur. In unserer Gegend hatten sich vor allem die Ubier niedergelassen. Nördlich von ihnen wohnten die Sugambrer, rheinabwärts die Usipeten und Tenkterer und östlich die Chatten, auch Sweben (Schweifende) genannt.

Die ständige Beunruhigung der römischen Grenze, die inzwischen bis zum Rhein vorgeschoben worden war, durch die Germanen, veranlasste die Römer zu dauernden Kämpfen gegen die Germanenstämme.

Die Ubier stellten sich mit den Römern freundlich, erweckten aber so den Hass der benachbarten Sugambrer und Chatten. G. J. Cäsar kam daraufhin zweimal mit seinen Legionen bis zum Rhein. Die Sugambrer hatten sich jedoch in ihre Wälder zurückgezogen und in die Waldwildnis des Westerwaldes, in die „Herzynischen Wälder“ wagten sich die Römer nicht hinein.

Als nun auch die vom Niederrhein heraufdrängenden Usipeten die Ubier bedrängten, setzten diese über den Rhein und wurden von Vipsanius Agrippa in der Nähe von Köln angesiedelt.

Für den Volksstamm, der nun zwischen Lahn und Main, also auch in unserer Heimat saß, tauchte der Name Mattiaken oder Mattiaker auf. Über die Herkunft der Mattiaker ist schon viel gestritten worden. Man war zunächst der Meinung, sie seien ein Chattenstamm, so schreibt auch Spielmann in seiner „Geschichte von Nassau“. Ludwig Wirtz (Bonner Jahrbücher) ist dieser Ansicht entgegengetreten und nimmt vielmehr an, dass sie den Usipeten nahe standen, zumal sich in der antiken Literatur keine Andeutung einer Verwandtschaft zwischen Chatten und Mattiakern findet. Dazu kommt, dass durch den Raubzug der Chatten im Jahre 50 n. Chr. gerade das Gebiet der Mattiaker furchtbar heimgesucht wurde, was doch gewiss nicht für Vettern- oder Freundschaft zwischen beiden Stämmen spricht.

Während die Nachbarstämme immer wieder in das linksrheinische Gebiet eindrangen, blieben die Mattiaker dabei ruhig, ja Vohl (Nassovia, 1915) weist sogar nach, dass damals im römischen Heer zwei Cohortes Mattiacorum zu je 500 Mann bestanden.

Drusus und Tiberius unternahmen verschiedene Feldzüge und Unterwerfungsversuche ins Germanenland. Nach der Niederlage im Teutoburger Wald führte Germanicus Cäsar drei gewaltige Kriegszüge gegen Innergermanien, dabei ging der von 15 n. Chr. mit 4 Legionen (24.000 Mann) und 10.000 Auxiliaren (Hilfstruppen) durch unser Gebiet. Der Kampf ging weiter, bis der Kaiser Tiberius seine Truppen zurückzog und hier Frieden schaffte.

Doch schon 40 n. Chr. zog Caligula und 50 n,Chr. Pomponius erneut gegen die Chatten zu Felde. Während des erstgenannten Feldzuges entstand das Erdkastell bei Hofheim, es wurde 50 n. Chr. zerstört und 83 n. Chr. durch ein steinernes ersetzt.

Erstmalig bei dem „Bundeskrieg“, wie Spielmann ihn nennt, im Jahre 69 n. Chr. erscheinen auch die Mattiaker als Beteiligte.

Nach dem für die Germanen unglücklich geendeten Kampf zog Domitianus noch zweimal gegen die Chatten und konnte sie 88 n. Chr. endgültig zurückwerfen. Dabei zwang er sie, eine bestimmte Grenze anzuerkennen, die durch den Limes Romanum gebildet wurde.

Durch diese Grenzanlage, die talabwärts von Marienfels das Mühlbachtal schnitt, wurde auch unsere Heimat, wurde auch Marienfels dem römischen Reich eingegliedert.


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